Zwangsarbeit demnächst auch an deiner Hochschule?

Am 3. Januar 2005 ist die nächste Stufe der Agenda 2010 in Kraft getreten und damit eine weitgehende Verschlechterung der Lebenssituation arbeitsloser Menschen. Neu ist der Zwang zur Arbeit für Hungerlöhne, den sogenannten 1-Euro Jobs.
Wer denkt als StudentIn von all diesen Dingen nicht betroffen zu sein wird nun eines Besseren belehrt: Neben den schon erfolgten, beziehungsweise eingeleiteten Umstrukturierungen der Hochschulen hin zu rein auf Profit ausgerichteten „Lernfabriken“, siehe Studiengebühren, „Eliteunis“ und Bachelorabschlüssen, hat nun auch das AkademikerInnenproletariat Einzug in die Universitäten und Fachhochschulen gehalten. Laut Information mehrerer Zeitungen werden mittlerweile schon deutschlandweit arbeitslose AkademikerInnen für 1 - 1,50 Euro je Stunde zum „gehobenen Hilfsdienst“ gezwungen. So betreuen 1-Euro JobberInnen an der FH Jena chemische Versuche oder helfen bei der Ausarbeitung von Lehrveranstaltungen, während sie an der Uni Erfurt zur Organisation von Konferenzen eingesetzt werden.
In Hessen ist es die Uni Marburg, welche die VorreiterInnenposition übernommen hat. Hier wurden mittlerweile 25 solcher Stellen, zum größten Teil in der Bibliothek und im Fotoarchiv, geschaffen. Die Hochschulen in Kassel, Fulda und Gießen(!) haben angesichts solch verlockender Möglichkeiten zur Ausbeutung (arbeits)rechtsloser BilligarbeiterInnen vollmundig angekündigt die Möglichkeiten zur Schaffung von 1-Euro Jobs auch dort bereits zu „prüfen“.

Angesichts der heutigen Arbeitslosigkeit, auch unter AkademikerInnen, könntest also auch du demnächst deiner ehemaligen Hochschule als Hilfskraft zum Dumpinglohn zur Verfügung stehen müssen!

Bisher wurden viele dieser Arbeiten von studentischen Hilfskräften verrichtet. Auch dabei war das Arbeitsverhältnis schon von einem niedrigen Lohn und dem Fehlen von Arbeitsrechten geprägt. Die Zustände unter denen jetzt jemand dort arbeiten muss bedeuten aber eine extreme Verschärfung. Wer als StudentIn nun einen dieser Hilfsjobs annehmen bzw. behalten will konkurriert jetzt mit den 1-Euro JobberInnen.

Also auch für uns: Weniger Geld, weniger Rechte und mehr Arbeit!

Diese Maßnahmen sind nichts weiter als eine Erpressung der Arbeitslosen, der Angestellten an Hochschulen und vor allem der StudentInnen.
Während die ZwangsarbeiterInnen zu einer in dieser Form entwürdigenden Arbeit gezwungen werden, verschärft das Lohndumping den Druck auf die Löhne und verschlechtert die Arbeitsbedingungen der Festangestellten. Von uns StudentInnen aber wird noch Beifall dafür verlangt: schließlich seien die Kassen leer und wenn wir nicht zu Praktikumsgebühren oder sonstigen finanziellen Beteiligungen herangezogen werden wollten, sollen wir solche Zustände doch bitte ganz ausgesprochen toll finden. Wir aber lehnen so etwas ab und überlegen uns was für eine Hochschule wir wollen:

Eine für die mensch bezahlen muss, die uns nur auf Arbeit und Profit zurichtet, statt Bildung zu vermitteln, und Menschen zu Hungerlöhnen arbeiten lässt?

Oder aber:

Eine in der alle Angehörigen gleichberechtigt bestimmen was passiert und in der Bildung für alle und zwar kostenlos vermittelt wird!


Bildungssyndikat Lahn
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