Frankreich: Sicherheitsleute greifen Studierende an

Heute, am 21. Oktober 2003, haben die Sicherheitskräfte der Universität Nanterre eine weitere Etappe der Gewalt erklommen, um die studentische Bewegung zurück zu drängen. Als sich etwa dreißig Studierende friedlich vor Gebäude B versammelt hatten, um gegen die Verwaltung zu protestieren, die ihre Immatrikulation verweigert hatte, griffen Sicherheitsleute die DemonstrantInnen mit Tränengas an, um sie am Betreten des Gebäudes zu hindern.

Dokumentation einer Nachricht von a.infos ...

Wie in jedem Jahr praktiziert die Universität Nanterre eine Eingangsselektion und verweigert hunderten Studierenden die Immatrikulation. Mit der Privatisierung versucht man, die Rentabilität zu erhöhen und die Rekrutierung einer Elite in den Vordergrund zu stellen. So versucht die Verwaltung, Studierende aus den ärmsten Vierteln zu separieren, indem sie Kriterien anlegt wie die Art des Abiturs oder den Wohnort. Zu dieser sozialen Diskriminierung kommt eine nationale Diskriminierung - Studierende aus armen Ländern gelten als unerwünscht.



Die Privatisierung der Universität zieht unvermeidlich eine Repression nach sich, die gegen alle gerichtet ist, die sich nicht in den neuen wirtschaftlichen Rahmen einpassen. Schon im vergangenen Jahr zögerte der Uni-Präsident André Legrand nicht, zweimal die Polizei zu rufen, die Studierende entfernen sollte, die sich die Uni wieder aneignen wollten: Verhaftungen, Bewachungen, Disziplinarstrafen, Verurteilungen ... alle Mittel sind recht, die Studierenden zu terrorisieren, die sich der neuen Universitätsordnung widersetzen.



Heute hat der neue Präsident, Olivier Audeoud, nicht gezögert, selbst Zuflucht zur Gewalt zu nehmen, als er seinerseits die Uni-Miliz unter dem Kommando von Guynot et Rat auf die Studierenden los ließ. Der Sicherheitsdienst der Universität wurde modernisiert: die Sicherheitsleute haben seit kurzem richtige Uniformen, ganz so wie die Polizei, und sind seit einigen Monaten sogar mit Tränengas ausgerüstet. Zweifellos ist das nur der Anfang: wann gibt's die Schlagstöcke? Und wann die Flash-Balls?



Das ist die Logik der aktuellen liberalistischen Offensive: keine privatisierte Uni ohne eigene Privatmiliz! In fortschreitendem Maße reorganisieren die Autoritäten die Uni nach den neuen Sicherheitsmaßstäben. Schon heute ist die Uni Nanterre unter Videoüberwachung gestellt und die Verwaltung begann unlängst, die Gebäude mit Hilfe von Sicherheitsposten abzuriegeln ... zur besseren Kontrolle der Ein- und Ausgehenden. Es ist auch vorgesehen, alle studentischen Vereinigungen aus ihren Lokalen rauszuwerfen und sie in einem externen Gebäude unterzubringen, das allerdings nur jenen Organisationen offen steht, die im Verwaltungsrat der Uni repräsentiert sind.





Wir lassen uns von den Autoritäten nicht terrorisieren: Immatrikulation aller, mit oder ohne Papiere!



Gegen eine Universität des Marktes und der Polizei, organisieren wir unsere Selbstverteidigung : gestern gegen die Faschisten, heute gegen die Sicherheitskräfte!



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http://enrages-nanterre.freeservers.com

nanterrenlutte@hotpop.com



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Originaltext auf a.infos, http://www.ainfos.ca/fr/ainfos04130.html, 23.10.03

Übersetzung von sy.bi.le - Bildungssyndikat Leipzig, 24.10.03