Widerstand im Wendland

Auch wenn der Protest gegen das Atommüll-Endlager im Wendland von der Tragödie des ersten Todesopfers im Kampf gegen die Castoren überschattet wurde, war die Anti-Atom Bewegung erfolgreicher als die etablierte Presse uns glauben machen will. Nachdem in den vergangenen zwei Jahren die Beteiligung am Widerstand gegen die Transporte zurückgegangen war, ist sie dieses Jahr wieder gewachsen. Durch eine Vielzahl von kreativen und wirksamen Aktionen ist bei vielen Aktiven das Gefühl gewachsen, dass sowohl an den Schiene als auch auf der Straße "wieder was geht".

An allen Demonstrationen und Aktionen des vergangenen Wochenendes waren wieder mehr Menschen beteiligt. Und auch die Ideen sind dem Widerstand noch lange nicht ausgegangen.

Die Konzentration der Aktionen auf die Straßenstrecke zum so genannten Endlager bescherte den Castor-Bütteln einige peinliche Schlappen. Den gesamten Montag und die Nacht auf den Dienstag versammelten sich Protestierende und Blockierende auf beiden für den Transport in Frage kommenden Straßen, ohne daß die Polizei jemals vollständig räumen konnte.
Im Laufe der Nacht kristallisierte sich heraus, daß der Transport auf der Nordroute fahren sollte. Die Fahrzeuge der Bullizei stapelten sich Stoßstange an Stoßstange. Trotz alledem gelang es einer Gruppe just in dem Moment die Straße in Quickborn samt Trecker und Betonklotz zu entern als sich gegen 4 Uhr die Castor-Tieflader in Gang setzen wollten. In Windeseile ketteten sich 5 AktivistInnen im Betonblock und am Trecker fest und blockierten wirkungsvollst die Strecke.

Nur 500 m weiter im gleichen Dorf kletterten 4 AktivistInnen von Robin Wood (darunter der Autor) von einem Baumhaus in die Zweige eines direkt an der Straße stehenden Baumes. In Langendorf, 3 km weiter, blockierten 1.000 Menschen die Straße, und auch bei Laase, wo beide Routen sich vereinigen standen noch hunderte.

Unsere Blockaden waren so massiv, daß die Staatsgewalt nach Stunden die nördliche Strecke aufgeben mußte! Für uns ein großartiger Erfolg, der für die nächsten Jahre hoffen läßt. Alleine um die Robin WoodlerInnen aus dem Baum zu bekommen brauchten 150 Staatsgewaltige 3 Stunden. Die Blockaden wurden während dessen abgedrängt und teilweise eingekesselt, fanden sich aber an anderen Stellen wieder zusammen. Und letztendlich war am Betonblock auch nach 5 Stunden Meißeln und Flexen kein wesentlicher Fortschritt zu erkennen. Die Grünen mußten unverrichteter Dinge abziehen.
Die AktivistInnen harrten bis zum Ende des Transportes aus und befreiten sich dann selber!! Die Aktionsform schreit doch direkt nach Nachahmung.

Aber auch das Ausweichen auf die südliche Straße verlief für die Giftmüllkutscher nicht ohne Probleme. Einige BlockiererInnen testeten schon nach 1 km die Bremswirkung der Anhänger, was dazu führte, dass zwei Castoren mit blockierten defekten Bremsen stehen blieben und erst repariert werden mußten. Außerdem waren noch die Blockaden in Gußborn und Laase im Weg.

So zeigten wir auch dieses Jahr, daß trotz 10.000 aufgezogenen Damen und Herren in Grün unser Protest erfolgreich sein kann und wir in der Öffentlichkeit zeigen, daß die Castoren nicht unwidersprochen und ungehindert fahren können. Nicht zuletzt waren die Proteste am Ende des Castor-Weges nicht die einzigen, auch der Bahnweg wurde ja mit mehreren Blockaden in Frankreich und Deutschland unterbrochen.

Zum Schluß gibt es noch die alljährliche übliche Mahnung: Nach dem Castor ist vor dem Castor. Auch die Prozesse gegen alle Festgenommenen und die Arbeit der BürgerInneninitiativen kostet Geld. Sorgt mit euren Spenden für die Kontinuität des Widerstandes:

Spendenkonto x-tausendmal quer:
Volksbank Clenze, BlZ: 25861990, Kto.-Nr:24422803

Internet-Links:

- www.x1000malquer.de
- www.robinwood.de
- www.castor.de
- www.de.indymedia.org

TheCat für LPA


Soli-Aktionen

Sébastien Briat, der 21jährige AKW-Gegner, der vom ungesichterten, mit 100 km/h durch eine Kurve rasenden Castor-Zug überrollt und getötet wurde, was Mitglied im Erziehungssyndikat der französischen CNT in Nancy.

Neben der Beteiligung etlicher Anarcho-SyndikalistInnen der FAU sowohl im Wendland als auch bei den Gedenkdemonstrationen für Sébastien Briat, haben sich auch in anderen europäischen Regionen GenossInenn an Protesten gegen den Todeszug beteiligt. Das Bild auf der Startseite zeigt zum Beispiel eine Kundgebung der spanischen CNT in San Sebastian (Donostia) am 12. November.

Weiterführende Informationen

Ein Kommunique der CNT-F zum Tod unseres Genossen Sébastien Briat.

Presseerklärung der CNT-E Gipuzcoa anlässlich Soliaktion in San Sebastian (auf Spanisch/Euskerra).