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Internationales - 19.03.18 von Internationales Sekretariat

Zum feministischen Generalstreik in Spanien am 8. März

„Wenn wir anhalten, steht die ganze Welt still“

„Gemeinsam streiken wir – gemeinsam schreiten wir voran!“ Unter diesem Motto hatte die CNT (Confederación Nacional del Trabajo) gemeinsam mit der CGT (Confederación General del Trabajo) und anderen progressiven Gewerkschaften zum feministischen Generalstreik am 8. März 2018 in Spanien aufgerufen. Mit überwältigendem Erfolg: Laut des Bündnisses kamen rund fünf Millionen Menschen dem Aufruf nach und legten ihre Arbeit nieder. Insbesondere an den Schulen und Universitäten kam der Betrieb weitgehend zum erliegen, aber auch der öffentliche Nahverkehr war stark eingeschränkt. Am Abend fanden in allen größeren Städten feministische Demonstrationen statt, an denen sich Hunderttausende beteiligten. Es war das erste Mal in der Geschichte Spaniens, dass Gewerkschaften im Rahmen der feministischen Bewegung zu einem solchen Streik am internationalen Frauentag mobilisierten.

Im Vorfeld hatten in der CNT organisierte Arbeiterinnen in Videos und bei Pressekonferenzen erklärt, warum sie sich am Streik beteiligen würden. „Die Gesellschaft ist immer noch chauvinistisch, Frauen haben weniger Rechte als Männer, aber mehr Pflichten,“ erklärte ein CNT-Mitglied. Eine andere Genossin fügte hinzu: „Wir Arbeiterinnen müssen uns gemeinsam verteidigen, denn es gibt keinen Unterschied zwischen dem, was sie Lohnarbeit nennen, und dem, was Sorge- und Hausarbeit heißt.“ „Als Kollektiv von Transpersonen kämpfen wir für die Sichtbarkeit unserer Identität und unsere Arbeitsrechte,“ unterstrich eine in der CNT organisierte Sexarbeiterin, während ein andere Genossin verkündete: „Einer der vielen Gründe, warum ich mich am feministischen Kampf beteilige, ist, weil ich es satt habe, als Objekt oder Besitz behandelt zu werden. Mein Körper gehört mir und kein anderer entscheidet darüber.“

Es war diese Vielstimmigkeit innerhalb einer breiten und von unten organisierten Bewegung, die am 8. März ein so beeindruckendes Zeichen gegen sexistische und kapitalistische Ausbeutung setzte. Bereits in den frühen Morgenstunden hatten Gewerkschafterinnen im ganzen Land Streikposten vor ihren Betrieben gebildet, vielerorts wehten schwarz-violette CNT-Fahnen. Tagsüber fanden in zahlreichen Städten Versammlungen und Kundgebungen statt. Am Abend zogen hunderttausende Demonstrierende durch die Straßen, in Barcelona war von 600.000, in Madrid von 500.000 die Rede. Singend und auf Töpfe schlagend machten die Teilnehmer*innen auf ihre Anliegen aufmerksam. Sie protestierten etwa für die gesellschaftliche Anerkennung von Reproduktionsarbeit, das Recht auf Abtreibung und körperliche Selbstbestimmung, gleichen Lohn für gleiche Arbeit und gegen die Prekarisierung vermeintlich weiblicher Berufe, wie in der Pflege-, Erziehungs- und Reinigungsbranche. Die Stimmung war ausgesprochen kämpferisch. Im Anschluss sagte eine CNT-Gewerkschafterin in einer Videobotschaft: „Es war ein spektakulärer Tag. Noch nie in meinem Leben habe ich Frauen so einig erlebt.“ Und eine andere ergänzte: „Das war ein Gefühl der Größe und Selbstermächtigung, ich bin absolut stolz auf meine Genossinnen und Genossen.“

Nach dem Generalstreik am 3. Oktober vergangenen Jahres gegen die Repression in Katalonien war es das zweite Mal binnen kurzer Zeit, dass ein Bündnis antikapitalistischer Basisgewerkschaften zu einem 24-stündigen Generalstreik aufrief. Die großen Mehrheitsgewerkschaften CC.OO und UGT beraumten hingegen erneut nur eine symbolische Niederlegung der Arbeit für zwei Stunden an. Laut Stellungnahmen der CNT und CGT behinderten sie die Mobilisierungen zum Streik durch gezielte Desinformation, indem sie erklärten, dieser sei illegal. Zahlreiche Unternehmen versuchten zudem, Arbeiter*innen von der Teilnahme abzuhalten. In Madrid waren zwei Arbeiterinnen des Telekommunikationsunternehmens „telemarketing“ entlassen worden, weil sie angekündigt hatten, zu streiken. Trotzdem wertete die CNT die Mobilisierungen bereits vor dem 8. März als Erfolg, weil der Streik und die Forderungen der feministischen Bewegung von den Medien aufgegriffen wurden und in aller Munde waren.

Das internationale Sekretariat der CNT stufte die Massendemonstrationen am Abend als „historisch“ ein: „Die Stimmung war ekstatisch. Die CNT beteiligte sich an diesen Demonstrationen mit ihren eigenen Anliegen, aber auf Augenhöhe und gleichberechtigt mit den anderen Gruppen. Es gab eine Synergie zwischen uns und großen Teilen der basisdemokratischen feministischen Bewegung, die nicht Teil politischer Parteien und der Mehrheitsgewerkschaften ist. Wir hoffen, dass diese Beziehungen anhalten und arbeiten daran, sie zu vertiefen.“ Tatsächlich zeigte die Schwestergewerkschaft der FAU vergangene Woche deutlich, dass Syndikalismus und Feminismus kein Widerspruch sind. Ganz im Gegenteil bewiesen die Streikenden, wie mächtig eine feministische und klassenkämpferische Gewerkschaftspraxis im Kampf um die Rechte aller Lohnabhängigen sein kann.

Denn die Mobilisierung für den Generalstreik bot Gelegenheit, feministische Forderungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Frauen waren in hohem Maße als Organizerinnen, Gewerkschaftssekretärinnen, Sprecherinnen auf Pressekonferenzen und Kundgebungen, als Streikende und Demonstrierende vor den Betrieben, in den Gewerkschaftlokalen und auf der Straße präsent. Ihre aktive Rolle kam jedoch nicht von ungefähr. Durch Arbeitskämpfe in prekären Bereichen hatten sich in den vergangenen Jahren mehr und mehr Frauen in der CNT organisiert. Für sie ist die Gewerkschaft nicht nur ein Instrument, um ihre Rechte am Arbeitsplatz durchzusetzen, sondern auch, um feministische Kämpfe zu führen.

Während der Streik in der internationalen Presse große Beachtung fand, griffen die Medien in Deutschland das Thema kaum auf. Die FAU war dem Aufruf der Schwestergewerkschaft nachgekommen und hatte eine Solidaritätsnote an die Genoss*innen in Spanien geschickt. Viele FAU-Syndikate beteiligten sich am 8. März an feministischen Kundgebungen und Demonstrationen in ihren Städten. Ein Streik wie in Spanien wäre in der BRD jedoch von staatlicher Verfolgung bedroht, denn deutsche Gerichte haben das Grundrecht auf Streik in den letzten Jahrzehnten immer wieder in Frage gestellt. Ihnen ist bewusst, was für ein ermächtigendes Instrument der Streik in den Händen der Arbeiter*innen ist. Daran, dass dieses effektiv eingesetzt wird, haben sie kein Interesse. Doch Rechte werden wirksam, indem man sie wahrnimmt. Vielleicht heißt es deshalb schon am 8. März 2019 auch hierzulande: „Gemeinsam streiken wir – gemeinsam schreiten wir voran!“

Kampagnenseite der CNT
Videozusammenschnitt 8M: Streikposten, Kundgebungen, Demonstrationen in zahlreichen Städten Spaniens

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