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News - 16.01.10 von faub

Berlin: „Neue Formen von Arbeit und kollektiver Organisierung“

Podiumsdiskussion am 30.01.2010 | 12-15 Uhr | Roter Salon / Volksbühne

Anlässlich des De-facto-Gewerkschaftsverbotes veranstaltet die FAU Berlin am 30.01.2010 eine Podiumsdiskussion zum Thema „Neue Formen von Arbeit und kollektiver Organisierung“.

Es diskutieren u.a. Prof. Bodo Zeuner, Dr. Renate Huertgen, Jochen Gester, Willi Hajek und ein Vertreter der FAU-Betriebsgruppe des Kino Babylon.

Die Organisationskraft und die Mitgliedszahlen der deutschen DGB-Gewerkschaften sinken stetig. Und so ist der Ruf nach neuen Strategien zur Organisierung von sozialen und gewerkschaftlichen Kämpfen schon länger nicht zu überhören. Häufig sind es dieselben Sachzwänge, die das begrenzen, was für Gewerkschaften und was für soziale Bewegungen machbar ist oder machbar scheint.

Erwerbsverhältnisse werden atypisch und heterogen. Sie entsprechen immer seltener einem verbindlichen Modell, sie entbehren immer häufiger einer klaren Zeitstruktur, und sie sind schon lange keinen Weg mehr zur verlässlichen sozialen Absicherung. Dieser Wandel ist untrennbar von der Zunahme struktureller Arbeitslosigkeit. Deren Drohung verschärft das Machtgefälle am Arbeitsplatz, das zwar als sozialpartnerschaftliches Arrangement dargestellt wird, jedoch viel eher eine Machttransformation zugunsten der Kapitalseite ist.

All dies führt dazu, dass betriebliche Interessenvertretung und kollektive Organisierung im prekären Dienstleistungsbereich, wenn überhaupt, nur unter ausgesprochen schwierigen Bedingungen stattfinden. Die Ausbreitung sogenannter „betriebsratsfreier Zonen“ und die Tatsache, dass atypisch Beschäftigte über keine betrieblichen Mitbestimmungsrechte und betriebsrätlichen Vertretungsansprüche verfügen, haben die Effektivität des deutschen Gewerkschaftsmodells erheblich verringert.

Am Beispiel des Arbeitskampfes im Berliner Kino Babylon zeigt sich aktuell was passiert, wenn die Beschäftigten versuchen Ihre Geschicke in die eigenen Hände zu nehmen:
zusammen mit der Freien ArbeiterInnen-Union (FAU), in der Teile der Belegschaft organisiert sind, wurde ein Tarifvertragsentwurf erarbeitet und der Geschäftsführung vorgelegt. Diese reagierte mit Ablehnung, der Einschaltung von Verdi als Verhandlungspartner ihrer Wahl und schließlich mit dem gerichtlichen Vorgehen gegen die FAU Berlin. Infolgedessen wurden der FAU Berlin gerichtlich Arbeitskampfmaßnahmen untersagt und schließlich gar das Recht abgesprochen, sich überhaupt
Gewerkschaft nennen zu dürfen.

Die Podiums-Diskussion soll der Frage nachgehen, wie man sich als ArbeitnehmerIn selbst organisieren kann. Dabei stellen sich insbesondere Fragen zur Lage und Perspektive der Gewerkschaften im 21.Jahrhundert sowie zur rechtlichen und politischen Situation. Was bedeutet die Atypisierung von Beschäftigung für Gewerkschaften und deren Organisationsformen? Folgt dem Modell der Massengewerkschaft eine der neuen Arbeitswelt entsprechende Organisationsform? Welche Alternativen gibt es? Wie können wir dem allgegenwärtigen Ausspielen von Arbeitnehmer- gegen Arbeitgeberinteressen entgegentreten?
Das Thema soll dabei von bürgerrechtlicher, gewerkschaftlicher und juristischer Seite her betrachtet und Perspektiven und Widerstände für eine Selbstorganisation aufgezeigt werden.


Panel 1: Partizipation und gewerkschaftliche Organisationsformen
Renate Hürtgen, Jochen Gester, Holger Marcks, Joachim Schulte

Panel 2: Gewerkschaftliche Alternativen und ihre Umsetzung
Willi Hayek, Bodo Zeuner, Klaus Stähle, Andreas Heinze


Es diskutieren:

Willi Hajek
Autor und Journalist, Berlin

Dr. Renate Hürtgen
Mitarbeiterin am Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam

Jochen Gester
Politologe und Mitglied des Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall.Berlin,

Prof. Dr. a.D. Bodo Zeuner
Politologe, ehem. Hochschullehrer für den Berufsfeldbereich Politische Erwachsenenbildung am Otto-Suhr-Institut, Berlin

Klaus Staehle
Jurist Berlin, vertritt die FAU Berlin

Joachim Schulte
Rechtsanwalt in der Kanzlei Knaup,Bochum, welche u.a. mit Günther Wallraff zusammenarbeitet.

Holger Marcks
FAU Berlin

Andreas Heinze
FAU-Betriebsgruppe Kino Babylon

Neue Formen von Arbeit und kollektiver Organisierung

30. Januar | 12-15 Uhr | Roter Salon / Volksbühne | Linienstraße 227, 10178 Berlin

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Chronologie zum Konflikt im Babylon

Von der umkämpften Gründung des Betriebsrates im November 2008 bis zum Gewerkschaftsverbot ein Jahr später. Der Arbeitskampf im Kino Babylon Mitte in Stichpunkten.

Dokumente

Hier dokumentieren wir alle wichtigen Gerichtsentscheide zum Thema.