Archiv - 12.11.02
von Komitee zur Unterstützung bulgarischer Antifaschisten
Tätigkeitsbericht
Als das Komitee zur Unterstützung bulgarischer Antifaschisten im Januar 1948 gegründet wurde, hatte sich die Situation unserer Kameraden von der Anarchistischen Kommunistischen Föderation Bulgariens seit mehr als einem Jahr ständig verschlechtert. Jede Aktivität wurde geächtet, jede Kommunikation mit der Außenwelt unterbunden.
Seit dem Sommer 1947 taten viele Kameraden in Einzelaktionen ihr möglichstes, um den Genossen der Föderation zu helfen, ihre Ideale aufrechtzuerhalten. Sie taten alles, um die Freiheit eines ganzen Volkes zu verteidigen gegen die wohl unbarmherzigste Unterdrückung, die es je gab, die Unterdrückung eines totalitären Staates.
Im November wurde die Notwendigkeit zu helfen noch dringender. Kameraden berichteten, daß sie nach Griechenland gegangen waren und dort in Konzentrationslager kamen. Neuigkeiten aus Bulgarien wiesen darauf hin, daß mehr und mehr Kämpfer der AKFB in Konzentrationslager gebracht wurden und ohne Hoffnung, jemals freizukommen, zu einem langsamen Tod durch Miahandlung und Folter verurteilt waren.
Hilfe mußte organisiert werden. Die IAA (Internationale Arbeiterassoziation) sah die internationale Solidarität schon immer als eine ihrer vorrangigen Verpflichtungen an und sicherte die feste moralische Garantie ihrer vergangenen Errungenschaften zu. Außerdem war sie als Arbeiterorganisation mit Sektionen in vielen Ländern in der Lage, Druck auf Regierungen auszuüben. Das Generalsekretariat der IAA für Westeuropa bat uns bereits, um Visa für die gefangenen Kameraden zu ersuchen.
Die AKFB schrieb uns aus Bulgarien: "Bald werden viele Kameraden gezwungen, das Land zu verlassen. Sie müssen ein ständiges Komitee gründen, um sie zu empfangen."
Jene von uns, die unabhängig voneinander im Dienste der AKFB gestanden hatten, trafen sich, um ein Komitee zu gründen, das nach den Instruktionen der AKFB arbeiten sollte. Die Föderation ihrerseits würde den Anarchisten und denen, die vor dem stalinistischen Terror fliehen müßten, jede mögliche Hilfe innerhalb Bulgariens zukommen lassen.
Die Mitglieder des Komitees handeln als Einzelne und repräsentieren keine spezielle Organisation. Aber wie erwähnt, arbeitet das Komitee nach den Wünschen der AKFB und unter Leitung der IAA.
Der Name des Komitees weist auf seinen Charakter hin. Geholfen wird nur Antifaschisten, meistens Anarchisten (seit sie so zahlreich sind), aber auch anderen Antifaschisten, die aktive Gegner des faschistischen Regimes während der deutschen Okkupation waren und Gegner des stalinistischen Neofaschismus sind.
Seit das Komitee sich bei Regierungen und Politikern für die Freilassung von Gefangenen einsetzt, erweist es sich als vorteilhaft, daß es keiner anarchistischen oder anderen politischen Organisation angeschlossen ist und seine Handlungsfreiheit bewahrt; sein einziges Ziel ist, verfolgten Kameraden zu helfen.
Das Komitee, eingerichtet im Januar 1948, umfasst französische, spanische, russische und bulgarische Mitarbeiter. Die Arbeit wird entsprechend den Möglichkeiten jedes Einzelnen aufgeteilt. Wichtige Entscheidungen werden auf Versammlungen des Komitees getroffen.
Die Tätigkeit des Komitees lief bis jetzt folgendermaßen ab:
1). Im Namen der bulgarischen Kameraden rief es zu internationaler Solidarität auf. Aufgrund der Lage unserer Kameraden ist die grundsätzliche Aufgabe des Komitees, Hilfe zu senden. Seine Appelle an zuständige Organisationen und in der Presse haben offene Ohren erreicht: aus der spanischen, der schwedischen, der argentinischen und der italienischen Bewegung, von der SIA (Internationale Antifaschistische Solidarität) und verschiedenen anderen antifaschistischen Unterstützungskommitees (besonders in Amerika) kamen viele großzügige Reaktionen.
Hilfe wird in verschiedenen Formen übersandt: Geld (am praktischsten und zuverlässigsten), Kleidung, Medikamente und Nahrungsmittel.
Diese Hilfe kommt den Gefangenen in den bulgarischen Konzentrationslagern und ihren Familien, sowie Gefangenen in Konzentrationslagern benachbarter Länder zu. Kameraden, die schon viele Monate inhaftiert sind, leiden an Unterernährung und den unhygienischen Bedingungen und sind der Gefahr der Tuberkuloseinfektion ausgesetzt, besonders jene, die in die "Disziplinierungslager" auf den griechischen Inseln deportiert wurden.
Der Bedarf, nicht nur an Nahrungsmitteln, sondern auch an Transportmöglichkeiten in westeuropäische Länder, ist enorm. Große Geldsummen sind erforderlich.
2). Das Komitee wurde bei Regierungsbehörden vorstellig und versuchte, Unterkünfte und Arbeit für Neuankömmlinge zu finden.
3). Das Komitee brachte Neuigkeiten aus Bulgarien an die größtmögliche Öffentlichkeit.
Um die Öffentlichkeit mit der Bedeutung des Kampfes unserer Genossen bekannt zu machen, wurde eine französische Broschüre publiziert - La Bulgarie, nouvelle Espagna (Bulgarien - Ein neues Spanien). Die Einnahmen des Verkaufs gehen an den Hilfsfonds.
Dies ist nur ein bloßer Umriß unserer Arbeit.
Schließlich müssen wir auch noch die Gründung ähnlicher Komitees in anderen Ländern erwähnen: in Schweden (Komitee für Propaganda gegen die terroristischen Regierungen in den totalitären Staaten des Ostens), in Italien, in Argentinien (Internationale Anarchistische Solidarität). Wir halten Kontakt zu diesen Gruppen, um unsere gemeinsamen Anstrengungen zu koordinieren.
Unsere Aufgabe ist die revolutionäre Solidarität - und diese ist umso wichtiger, als sie im Namen jener praktiziert wird, die gegen die mächtigste Tyrannei in der heutigen Welt kämpfen, die trotz allem ihre Organisation am Leben erhalten haben und die durch ihren Mut und ihr Vertrauen in unsere Ideale von Gerechtigkeit und Freiheit die einzige Hoffnung eines unterdrückten Volkes.
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