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Arbeit im IT Bereich ist nicht so gesund, wie vermutet

News - 22.08.2009 von fauffm4

Zu lange Arbeitszeiten, widersprüchliche Anforderungen und Leistungsdruck machen IT Spezialisten zunehmend krank.
Laut IAT Report 2006 leiden IT Beschäftigte bis zu vier mal häufiger an psychosomatischen Beschwerden, wie chronischer Müdigkeit, Schlafstörungen und Magenbeschwerden als der Durchschnitt der Beschäftigten.
Aus diesem Anlass beschäftigen wir uns an dieser Stelle mit der Thematik Burnout.

Was ist Burnout?

Burnout ist in erster Linie ein umgangsprachlich inzwischen gut eingeführter Begriff, der den Prozess des Ausbrennens beschreibt. Dieser verläuft in einer Art Erschöpfungsspirale, deren Stufen verschiedene, zum Teil depressionsähnliche Symptome aufweisen. Am Ende gleichen die Symptome eines Burnouts so sehr denen einer Depression, dass viele Fachleute Burnout nicht als eingeständiges Krankheitsbild verstehen, sondern lediglich als eine Spielart der Depression.

Symptome des Ausbrennens

Phase I

Diese Phase ist geprägt durch emotionale Erschöpfung. Betroffene sind frustriert im Beruf. Sie verlieren zunehmend die Fähigkeit des Regenerierens, so dass die Erschöpfung immer weiter zunimmt. Schlafstörungen, häufiges Grübeln und physischen Schmerzen (z.B. Rückenschmerzen oder Tinitus) können auftreten.

Phase 2

Diese Phase ist insbesondere dadurch gekennzeichnet, dass Arbeit und Arbeitsplatz eine immer größere Rolle im Leben der Betroffen einnehmen.

Erkrankte berichten über eine erhöhte Reiz - bzw. Kränkbarkeit, die mitunter zu aggressiven Ausbrüchen führt. Stressbedingte Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, ein erhöhtes zeitliches Arbeitsvolumen, um die Arbeit noch zu schaffen, sozialer Rückzug und eine zunehmende Gefühllosigkeit gegenüber Mitmenschen sind Folgeerscheinungen der Fokussierung auf die Arbeit.

Phase 3

In dieser Phase sinken die Arbeitsleistungen. Freudlosigkeit, Interesselosigkeit und Motivationsverlust machen sich breit. Starke Stimmunkschwankungen, bzw. Niedergeschlagenheit prägen das Gefühlsleben. Die Umwelt nimmt häufig erst in dieser Phase wahr, dass mit ihrem Gegenüber etwas nicht stimmt. Soziale Folgen, wie z.B. Verlust des Partners oder Arbeitsplatzes sind häufige Begleiterscheinungen. Suizidale Gedanken und starke Depressionen stehen am Ende der Erschöpfungsspirale. Zahlreiche, zum Teil gefährliche körperliche Symptome begleiten diese letzte Phase einer Burnouterkrankung. Herz- und Magen-Darmbeschwerden, Atemstörungen, Kopf und Gelenkschmerzen sind nur einige davon.

Quelle: Bevor der Job Krank macht; Kösel Verlag, München
www.brainguide.de, Dagmar Ruhwandl


Burnout - ein Kolalateralschaden der Globalisierung?

Bereits vor einigen Jahren geriet das Thema Burnout zunehmend in den Focus des öffentlichen Interesses. Ob Tageszeitung, Managermagazin oder Frauenzeitschrift - zahlreich schrieben und schreiben sie über das Phänomen des "Ausgebrannt Seins".

Aus gutem Grund: Untersuchungen der WHO (Weltgesundheitsorganisation) zur Folge sind derzeit seelische Leiden weltweit auf dem Vormarsch. Sie sieht spätestens im Jahr 2030 depressive Erkrankungen direkt nach AIDS an zweiter Stelle der Krankheiten, die die Menschheit am meisten belasten werden.

Laut deutscher Rentenversicherung sind bereits heute seelische Erkrankungen der häufigste Grund für Berufsunfähigkeit. Auch die Berichte der Krankenkassen belegen die Zunahme depressiver Erkrankungen und Angststörungen.

Auslöser ist laut des Berufsverbandes für Psychologinnen und Psychologen immer häufiger die Arbeit.

Galten vor einigen Jahren noch bestimmte Berufsgruppen (z.B. Lehrer, Pflegekräfte und Ärzte) als besonders risikobehaftet, tauchen nun immer neue Berufsgruppen mit erhöhtem Risiko im Bezug auf Stresserkrankungen auf.

Bis zu 25% aller Europäer und Europäerinnen brennen mindestens einmal in Ihrem Leben aus.

Die Gründe hierfür liegen nur zum Teil in einer individuell erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Stress. Auch die Tatsache, dass heute offener über psychische Probleme geredet wird und Ärzte auf Grund einer weiterentwickelten Forschung ein höheres Augenmerk auf derartige Gesundheitsstörungen legen, kann den dramatischen Anstieg von Depressions- und Angsterkrankungen nur partiell erklären.

Vielversprechender ist ein Blick auf die heute bekannten, einen Burnout begünstigenden Faktoren. Setzt man diese in Beziehung zu den in Folge der Globalisierung stark veränderten Arbeitsbedingungen, sind Antworten zu finden, von denen in der bürgerlichen Presse schon weit weniger die Rede ist, geschweige denn in den Managementetagen der verantwortlichen Konzerne und Firmen.

Leistungsdruck, Hektik, mangelnde Wertschätzung durch Vorgesetzte und Kollegen/ -innen, Arbeitsplatzunsicherheit, ständige Restrukturierungen, eine hohe Arbeitslast, kombiniert mit einem geringen Entscheidungsspielraum der einzelnen Beschäftigten, sowie eine aus Effizienzgründen starke Segmentierung von Arbeitsabläufen, die den Einsatz persönlicher Fähigkeiten verhindert, gelten als Hauptursachen für die Entstehung eines Burnouts.

Leistungsdruck

Demgegenüber stehen immer perfidere Leistungsbeurteilungssysteme, die inzwischen zumindest in fast allen global operierenden Konzernen weltweit Einzug gehalten haben.

Hektik

Beschäftigte leiden darunter, mehrere Aufgaben nahezu zeitgleich abwickeln zu sollen. So ergab eine Studie der IAT (Institut für Arbeit und Technik) von 2006, dass
Projektmitarbeiter/ -innen insbesondere unter dem zeitgleichen Einsatz in mehreren Projekten und den sich daraus häufig ergebenden widersprüchlichen Anforderungen leiden. Kein Wunder, dass rund 40 % der befragten IT Beschäftigten Burnoutsympthome aufwiesen.

Wertschätzung

In einer Arbeitswelt in der zunehmend von Ressourcen anstatt von Menschen gesprochen wird, Menschen immer ausschließlicher an dem Kriterium der augenblicklichen Nützlichkeit für die Firma gemessen werden und in der die Arbeitskraft des Einzelnen so billig wie möglich sein muss, ist Wertschätzung rar gesäht.

Arbeitsplatzunsicherheit

Ständige Restrukturierung als Folge einer globalen Marktwirtschaft, in der Konzerne ständig nach den günstigsten Standorten, den billigsten Arbeitskräften und den effizientesten Produktionsmethoden Ausschau halten, verursachen neben Existenzängsten, Leistungsdruck und Konkurrenz unter den betroffen „Indianern“, bei gleichzeitig geringen Möglichkeiten, das Geschehen individuell beeinflussen zu können.

Segmentierung der Arbeitwelt

Dass eine stark segmentierte und damit zu eintönige Fließbandarbeit unglücklich und krank macht, ist seit langem bekannt. Nichts desto trotz hat das Zerlegen von Arbeitsprozessen in seine einzelnen Schritte auch im Dienstleistungssektor Einzug gehalten. Kein Wunder, ist doch gerade das Aufsplitten der Arbeit in einzelne Arbeitsschritte eine wesentliche Voraussetzung zur Verlagerung von Arbeit in Billiglohnländer, bzw. zur Unterscheidung in hoch und gering qualifizierte Arbeit.

Nicht wir, sondern diese Welt ist krank!

Wollte man die Zunahme psychischer Erkrankungen auf Grund von Lohnarbeit tatsächlich verhindern, müsste Arbeit in einer Art und Weise organisiert werden, die kaum zu einem kapitalistischem System passen würde, welches Menschen auf Kostenfaktoren reduziert. Das Problem an der Wurzel packen hieße: Kapitalismus abschaffen!

Folglich ist es kein Wunder, dass empfohlene Präventionsmaßnahmen mehrheitlich auf das einzelne Individuum abzielen. Stressmanagement, Entspannungsübungen, Yoga und Meditation sind nur einige der empfohlenen Maßnahmen, um die eigene Verwertbarkeit zu sichern.

Selbst der Begriff Burnout ist symptomatisch für diese Zeit. Immerhin impliziert er, dass Betroffene etwas geleistet haben, bevor sie krank wurden. Er ist damit im Vergleich zum Begriff der Depression weit weniger stigmatisierend.

Für Versicherungen gilt dies allerdings nicht. Mindestens 5 Jahre muss eine psychotherapeutische Behandlung unabhängig von der Diagnose in der Regel zurückliegen, wenn Aussicht auf den Abschluss einer Berufunfähigkeitsversicherung bestehen soll.

Durch den Arbeitsplatz verursachte psychische Erkrankungen führen nach einer Studie der International Labour Organisation (ILO) allein in Deutschland zu Produktionsausfällen von jährlich mehr als 2,5 Milliarden Euro. Deutsche Krankenkassen schätzen die volkswirtschaftlichen Folgekosten von Angst und Stress im Job auf über 75 Milliarden Euro pro Jahr.

Mit einem gewissen Zynismus bleibt festzuhalten:
Nicht nur der lohnarbeitende Mensch, sondern auch seine Erkrankungen sind Kostenfaktoren!
Kosten, die leider im Wesentlichen durch die Betroffenen selber und nicht durch die verursachenden Konzernbosse, Firmenchefs und gewinnabschöpfenden Aktionäre getragen werden.

K.S - FAU VAB Ffm

Quellen:
Gesundheitsreport 2004/2006 DAK,
Gesundheitsreport BKK 2008,
IAT - Report 2006,
Saturns Schatten, Andrew Salomon, Fischer Taschenbuchverlag
Bevor der Job krank macht; Hans Peter Unger, Carola Kleinschmidt, Kösel Verlag, München

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23.05.2012 - Quelle: http://www.fau.org/syndikate/it-syndikat/art_090822-133334