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Internationales - 08.12.06 von Ratibor Trivunac (ASI Serbien) - Übersetzung: lila

StudentInnenproteste in Serbien

Seit bereits 6 Tagen blockieren StudentInnen der Universität von Belgrad das Gebäude der Philosophischen Fakultät. Dies ist nur ein kurzer Überblick über StudentInnenenproteste in Serbien. Längere Analysen mit interessanten Details werden später herausgegeben, wenn das ganze Aufhebens vorbei ist. Im Mai und Juni stiess die Bildungsgewerkschaft der Gewerkschaftsföderation Anarchosyndikalistische Initiative" und die direkt demokratische Solidaritätsbewegung "Soziale Front" eine Kampagne gegen Stipendien in der Belgrader Universität an: "Nieder mit der Studiengebühr" (Dole skolarine!)

Die ersten Wochen im Oktober, als das Unijahr begann, gingen mit Verteilen von Propagandamaterial, Sammeln von Unterschriften gegen die Studiengebühren und Organisieren von StudentInnenversammlungen an der Philosophischen Fakultät, mit der Absicht Protest in einer radikaleren Form zu organisieren, vorbei.
Am 12. Oktober wurde eine Protestparty vor der Philosophischen Fakultät veranstaltet, wo sich mehrere hundert StudentInnen versammelten.
Am 18. Oktober organisierten StudentInnen eine Begrüssung für den serbischen Premierminister und den Bildungsminister, die sich in einem nahegelegenen Gebäude trafen, indem die Studis slogans wie "Ich will nicht zahlen", "Freie Bildung", "nieder mit den Studiengebühren" etc. trugen. Die Politiker waren ziemlich erschrocken.
Am 27. Oktober wurde ein Protestmarsch organisiert, mehr als 500 Leute begleiteten den Protestmarsch. Getrennt von den Studiengebühren, wurde eine neue Vorgabe eingeführt - das Gleichstellen von StudienabgängerInnen mit dem "Master"-Status vom Bologna-Prozess welcher in Serbien eingeführt wird (während die Universität versuchte mehr Kohle zu nehmen und eine extra Ausbildung für Studierende zu organisieren, die ein Master-Diplom wollten).
Am 6. November, während das Treffens des höchsten Universitätsgremiums (KONUS) stattfand, wurde ein Protest organisiert. mehr als 800 Leute schlossen sich dem Protest an. "Diebe!", "Bourgeois Gang" wurde gebrüllt und die Dekane und sie wurden in dem Gebäude eingesperrt. Wir liessen sie für einige Zeit nicht raus und Studierende brüllten sie an: "Wie teuer sind eure Suites?", "Diebe!" etc...
Am 16. November organisierten wir einen Protestmarsch, die Hauptstrassen von Belgrad wurden blockiert und Studierende riefen vor dem Parlamentsgebäude, dem Regierungsgebäude und dem Bildungsministerium "Dies sind die Nester der Diebe", "Nieder mit Studiengebühren"
Am 17. November organisierten wir eine Fahrt in die stadt Novi Sad, wo KONUS sich erneut traf, einige hundert Studierende protestierten und betraten die Versammlung, wo sie die Dekane verbal attackierten.
Parallel dazu versuchten bürokratische StudentInnenorganisationen, der Studentenbund von Serbien (SUS) und der Bund der Studenten (SSB), als sie mit der grossen anzahl von Studierenden, die sich den Protesten und Aktionen anschlossen, konfrontiert waren, die Proteste zu übernehmen und den Fokus von den Studiengebühren zu nehmen und nur das "Master"-Thema zu behandeln. In einer längeren Analyse werden wir zeigen, wie wir es bewerkstelligten ihnen ihren Scheiss zu vermasseln. Ohne Zweifel spielte unsere hierarchiefreie Struktur mit StudentInnenversammlungen, die alles entschieden, eine Schlüsselrolle hierbei.
am 22. Nov. wurde vor der Philosophischen Fakultät eine Protestveranstaltung organisiert, die in Folge besetzt wurde. Seitdem wurde die Philosophische Fakultät in das Hauptquartier des Protests für die ganze Uni umgewandelt. Ständig sind hunderte Studierende darin, sie essen, schlafen, diskutieren, singen, schauen Filme und bereiten Propagandamaterial vor und verhindern natürlich die Vorlesungen.
Es gibt nicht so viele Fotos von den letzten sechs Tagen, seitdem wir eine ganze Ladung Arbeit haben, aber alles wird fotografiert und gefilmt und die Sachen werden online gesetzt sobald wir die Blockade beendet haben. Grosser Protest wurde für den nächsten Tag angekündigt.
Die ganze Sache ist natürlich gross in der Presse. Zwei liberale PolitikerInnen von verschiedenen Parteien versuchten das Fakultätsgebäude zu betreten und wurden von den Studierenden herausgebrüllt: "wir wollen keine politikerInnen hier" und "diebe!" wurde ihnen entgegengerufen. Einer von ihnen, der mit seinen Bodyguards kam, attackierte sogar einige Studierende.
Es ist eine Art Mini-1968 - es ist das erste mal seit 1968, dass derart Radikales (Texte, die von den versammlungen beschlossen werden vielleicht übersetzt) an der Belgrader Universität passiert. Natürlich, wegen der Apathie, die von verratenen Revolutionen und so genannten Übergängen ausgelöst wurde, passiert all dies im wesentlich kleineren Rahmen, für die Zeit die gerade ist, und vielleicht 1000 studis sind aktiv darin involviert - aber keine anderen, besonders bürokratische StudentInnenorganisationen, sind fähig mehr Menschen zu mobilisieren - daher ist dies das Grösste, was in der derzeitigen Situation passieren kann.

Links

die offizielle Internetseite
Fotogalerien
ein Protest-Video
Anarchosyndikalistische Initiative
Soziale Front

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