DA - 01.06.05
von A.E.
Undenkbares wird wahr!
Bis 2009 sollen in Sachsen 4.700 von etwa 18.000 Lehrstellen an weiterführenden Schulen abgebaut, bzw. soll das Sparziel über allgemeine Teilzeit erreicht werden. Zudem steht die betriebsbedingte Schließung von 82 Schulen, v.a. Mittelschulen an.
Unter diesen Vorzeichen sahen sich GEW und andere Berufsverbände am 13. Mai gezwungen, einen Warnstreik – den dritten in 15 Jahren – auszurufen. Den Anfang machten am 17.5. LehrerInnen an fast 20 Schulen im Raum Dresden. Am Folgetag wurde die Aktion durch 3.000 Streikende an 80 Schulen (v.a. in Leipzig, wo sich nahezu 100% der Angestellten beteiligten) ausgeweitet.
In Schlaglichtern zeichnete sich aber ein verheerendes Bild der hiesigen Gewerkschaftsbewegung ab: aus “Loyalität zum Ministerium” verweigerte die Uni-Bibliothek zum einen den Streikenden einen Stromanschluss, zum anderen zeigten die teils kämpferischen Reden keine Wirkung – die ohnehin kurze Kundgebung zerstreute sich vorzeitig.
Zum Einstieg in die 7. Verhandlungsrunde, traten am 24. Mai sogar 19.000 LehrerInnen (auch der Grundschulen) in den Ausstand. Kundgebungen mit 3-4000 Teilnehmern fanden in Chemnitz, Dresden und Leipzig statt und durchbrachen den Normalbetrieb und seine Isolation.
Wenn es auch “nur” ein Warnstreik war, so stellte die Streikerfahrung doch für viele LehrerInnen – oder gar für ganze Einrichtungen! – ein absolutes Novum dar. Von daher ist es nachvollziehbar, dass andere Kampfformen, z.B. die Verweigerung von Prüfungen durch die Lehrkräfte, unangetastet blieben.
Man einigte sich Ende Mai (im wesentlichen) auf 85% Teilzeit und “entsprechende” Lohneinbußen im kommenden, 77% in den darauffolgenden Schuljahren. In einer Urabstimmung wurde dieses Ergebnis mit 80,6% der abgegebenen Stimmen (61%) angenommen.
A.E. (FAU Leipzig), DA #170 (Juli/August 2005)
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