Unbezahlte Praktika

Praktika dienen schon längst nicht mehr dazu, Erfahrungen in einem Beruf zu sammeln, sondern entsprechen oftmals regulären Tätigkeiten – nur eben ohne die gebührende Entlohnung. Bei einem Praktikum bleibt es im seltensten Fall, die meisten Betroffenen absolvieren mehrere Praktika, bis ihnen irgendwann eine feste Anstellung angeboten wird. Immer diese Aussicht vor Augen, nehmen viele eine extrem niedrige Bezahlung hin, die eher ein symbolisches Gehalt darstellt. Da ist es nicht weit dahin, dass in Praktika gar nichts bezahlt wird – ein ebenso um sich greifendes Phänomen.
Von dieser Form der (fast) unbezahlten Arbeit sind oft AkademikerInnen betroffen, die nach ihrem Studium eine Anstellung suchen. Für viele Unternehmer stellen sie gut ausgebildete, aber dennoch kostenlose oder billige Arbeitskräfte dar. Gerade weil es sich um hoch qualifizierte – und nicht „irgendwelche“ – ArbeiterInnen handelt, werden unbezahlte Praktika inzwischen teilweise als Problem wahrgenommen. Zuletzt machte der Begriff „Generation Praktikum“ in diesem Zusammenhang die Runde.


„Fakten, Fakten, Fakten. Studierende, Praktika und prekäre Arbeit.“

Um einen kurzen Überblick über die Prekarität und den sozialen und psychischen Druck von lohnabhängigen Studierenden zu erhalten, haben wir eine Studie ausgewählt, die an der RWTH Aachen, TU Berlin und der Uni Dortmund durchgeführt wurde, und exemplarisch hier aufgenommen. Der Fokus liegt hierbei auf der Situation von Studierenden innerhalb der Praxissemester und der AbsolventInnen-Praktika in den Ingenieurswissenschaften. [Lesen:...]


„Die neuen Arbeitssklavinnen und –sklaven. Zur rechtlichen Situation von PraktikantInnen.“

Ob ihr einfache Tätigkeiten, schwere körperliche Arbeit, Facharbeiter- oder Akademikertätigkeit verrichtet, und ob es sich bei dem Arbeitsverhältnis um Tagelöhnertätigkeit, Teilzeitbeschäftigung, geringfügige Beschäftigung, studentische Nebenbeschäftigung, um Probearbeitstage, eine befristete oder eine unbefristete Beschäftigung handelt – ihr seid immer ArbeitnehmerInnen im Sinne des Gesetzes und habt ein Anrecht auf eine entsprechende Bezahlung. Es ist nicht entscheidend, wie etwas genannt wird, sondern der tatsächliche sachliche Inhalt des Schuldverhältnisses kennzeichnet den Charakter des Vertrags. [Lesen:...]

Aus der Direkten Aktion, Nr. 183 (Sept./Okt. 2007)


„Moderne Tragödien. Der Berliner Friedrichstadtpalast macht massiv von unbezahlter Arbeit Gebrauch. Interview mit einer Praktikantin.“

„Traumrolle hinter den Kulissen“ betitelte der Tagesspiegel Ende des letzten Jahres einen Artikel, in dem über den Einsatz von arbeitslosen Jugendlichen im Berliner Friedrichstadtpalast berichtet wurde. Im Rahmen des TIVI-Projektes (Testen, Informieren, Vermitteln, Integrieren), einer Kooperation zwischen dem Jobcenter Friedrichshain-Kreuzberg und dem freien Ausbildungsträger und Personalvermittler Aktionszentrum Multimedia GmbH (AMM), werden sie an die größten Revuetheater Europas vermittelt, um sich dort „in vielen verschiedenen Jobs beweisen zu können“. Laut Tagesspiegel reagierten die Jugendlichen geradezu euphorisch auf diese Möglichkeit. Von einem „Traumjob“ ist die Rede. [Lesen:...]

Artikel aus der Direkten Aktion, Nr. 186 (März/April 2008)


„Null-Euro Jobber. Wie Hartz IV-Empfänger zu kostenloser Arbeit gezwungen werden.“

Guten Abend zu REPORT MAINZ. Es gibt viele Ideen, Arbeitslose in Arbeit zu bringen. Auf eine unglaubliche sind jetzt Thomas Dauser und Beate Klein gestoßen. Hartz-IV-Empfänger werden von den zuständigen Behörden gezwungen umsonst zu arbeiten. Und das nicht in gemeinnützigen Einrichtungen, wie zum Beispiel die Ein-Euro-Jobber, sondern in ganz normalen Unternehmen, auf ganz normalen Arbeitsplätzen, oft monatelang. In dieser Zeit kommt der Steuerzahler für den Lebensunterhalt auf. Eine der Folgen, reguläre Arbeitsplätze verschwinden. Und REPORT MAINZ hat Arbeitgeber gefunden, die von dieser Maßnahme nur zu gerne Gebrauch machen. [Lesen:...]

Skript der Report-Sendung vom 27.8.2007; Link via Labournet


„Auf in die Sofort-Maßnahme!“

Kostenlose Firmenpraktikas erfüllen grundsätzlich den Tatbestand des Lohnwuchers nach § 138 BGB und § 291 StGB und sind grundsätzlich zu verbieten und zu verfolgen. Erst recht sollte man die Arbeitsagenturen und ARGEn an den juristischen Kanthaken nehmen, wenn sie kostenlose Firmenpraktikas unter nötigender Anwendung von Eingliederungsvereinbarungen und Androhung von Sperrzeiten durchpeitschen wollen. [Lesen:...]

Kommentar auf Chefduzen.de; Link via Labournet. Wir verweisen darauf, dass es sich hierbei um ein Diskussionsforum handelt. Von Interesse ist hierbei der Beitrag von joachimkuehnel. Ein Großteil der unter diesem Link zu findenden Beiträge dagegen haben sexistische Inhalte, die wir ausdrücklich verurteilen.


Gesetzesinitiative zur Regelung von Praktikumsvergütungen

Die Arbeitgeber wehren sich gegen das Vorhaben der Sozialdemokraten, Praktikanten finanziell und vom Status her besser zu stellen. Der Vizepräsident der Bundesvereinigung der Arbeitergeberverbände (BDA), Gerhard Braun, warnt davor, dass mit einer Überregulierung in diesem Bereich die Einstellung von Praktikanten verhindert wird. [Hören:...]

Radiobeitrag des Deutschlandfunks vom 19.3.2008


„Generation Praktikum?“

Prekäre Beschäftigungsformen von Hochschulabsolventinnen und -absolventen. Von Dieter Grühn und Heidemarie Hecht, Februar 2007. Eine Studie Eine Studie des Arbeitsbereichs Absolventenforschung der FU Berlin im Auftrag der DGB-Jugend und der Hans-Böckler-Stiftung. [Download:...]

DGB-Studie zu AbsolventInnenpraktika; Download via DGB-Jugend


„Rechte und Pflichten im Praktikum. Tipps und Informationen für Studierende und AbsolventInnen. Eine Broschüre der DGB-Jugend.“

Es gibt viele Gründe, ein Praktikum zu absolvieren. Besonders für Studierende: In vielen Studienordnungen sind Praktika vorgeschrieben oder müssen sogar im Vorfeld als sog. Vorpraktikum abgeleistet werden. Viele Studierende entscheiden sich allerdings auch für ein freiwilliges Praktikum. Es soll dazu dienen, in ein Berufsfeld hineinzuschnuppern, die beruflichen Chancen zu verbessern oder berufl iche Kontakte zu knüpfen. Schön, wenn das alles klappt. Allerdings kann sich hinter der Bezeichnung „Praktikum“ auch manche unangenehme Überraschung verbergen. [Download:...]

Broschüre der DGB-Jugend (Mai 2005); Download via DGB-Jugend


„Arbeite umsonst und sei dankbar! Über die Ausbeutung von PraktikanntInnen im Rahmen von schulischen Ausbildungen.“

„Wer eine Berufsausbildung beginnt, der wird auch dafür bezahlt, und zwar von Anfang an.“ So könnte ein spontaner Gedankengang von angehenden Azubis und deren Eltern lauten. Es handelt sich schließlich um eine vermeintlich allgemein anerkannte Selbstverständlichkeit: Auszubildende haben einen rechtlichen und moralischen Anspruch auf Lohn für ihre Arbeit, selbst wenn sie anfangs kaum mehr als einige Botengänge und einfache Handgriffe verrichten können. Gesetz und Moral sind in unserer Gesellschaft jedoch äußerst flexible Faktoren, und so finden sich auch im Ausbildungsbereich einige Hintertüren, über die private wie staatliche Unternehmen auf praktisch kostenlose Arbeitskräfte zugreifen können. [Lesen:...]

Aus der Direkten Aktion, Nr. 187 (Mai/Juni 2008)


„Ausbeutung: Anwalt gewinnt Prozess für Praktikantin.“

„Dieses Urteil hat Signalwirkung“, sagt der Gifhorner Rechtsanwalt Thomas Böker. Der 40-jährige Jurist aus der Braunschweiger Straße hat sich vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht und dem Landesarbeitsgericht erfolgreich für eine 25-jährige Müdenerin eingesetzt. … „Das war kein Praktikums-, sondern ein eindeutiges Arbeitsverhältnis“, erläutert Böker. Er forderte den Verlag auf, 1750 Euro Lohn pro Monat nachzuzahlen. Nach Auffassung der Richter ist sie als Langzeitpraktikantin ausgebeutet worden. Dieses Urteil hat bundesweit Aufsehen erregt. [Lesen:...]

Aus der Aller Zeitung (27.5.2008)

Wichtige Hintergründe zum Urteil siehe hier:

Arbeitsrecht aktuell: 08/45 Ist der „Praktikant“ ein Arbeitnehmer, kann er einen entsprechenden Lohn verlangen. [Lesen:...]

Weitere Artikel zum Thema:

„Mini:Löhne: Praktikantin erstreitet faire Bezahlung.“

Artikel von Sebastian Wieschowski auf Spiegel.de, 16.06.2008. [Lesen:...]


„Was ist gute Arbeit? Anforderungen an den Berufseinstieg aus Sicht der jungen Generation.“

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat im Mai 2008 unter einem grauenerregenden Titel eine Studie u.a. zur Situation von PraktikantInnen veröffentlicht. Wie nicht anders zu erwarten, belegt auch diese Studie, dass ein Großteil der PraktikantInnen als normale Arbeitskräfte eingesetzt wird, und das mies oder gar nicht bezahlt. Kurz- und Langversion der Studie finden sich auf der Website des BMAS. [Download:...]


„Uni-Prekariat. Arbeitsminister Scholz lässt eigene Praktikanten unbezahlt.“

„Als Vorkämpfer für die Rechte von Praktikanten gibt sich Bundesarbeitsminister Olaf Scholz. Doch in seinem Ministerium sieht es für die jährlich hundert Praktikanten finster aus – sie erhalten kein Geld.“ [Lesen:...]

Artikel von Jan Grundmann und Jochen Leffers auf Spiegel.de, 10.12.2008.


„Ausbeutung im Altenheim. Praktikant erhält 10.000 Euro Nachzahlung.“

„Ein Jahr lang schuftete ein Jugendlicher im Altenheim, um eine Lehrstelle als Pfleger zu ergattern – und bekam sie nicht. Dafür bekommt er jetzt eine saftige Nachzahlung. Arbeitsrichter urteilten: Das Praktikum war keins, der Stundenlohn betrug sittenwidrige 1,30 Euro.“ [Lesen:...]

Artikel auf Spiegel.de, 06.01.2009.


„Ausbeutung in »Omas Garten« sanktioniert. Berlin: Gericht weist Klage einer Praktikantin ab. Sie _usste Kindergruppe in Kita betreuen.“

„Das Arbeitsgericht Berlin hat die Klage einer ehemaligen Praktikantin auf Entgeltnachzahlung abgewiesen, teilte die Freie ArbeiterInnen-Union (FAU) am Freitag mit. Die 23jährige Agnes M. war ab Ende März 2008 in der Kita »Omas Garten« in Berlin-Wedding als Praktikantin beschäftigt, 400 Euro monatlich bei 40 Stunden die Woche. »Ich _usste regelmäßig eine Gruppe von 23 Kindern allein betreuen und machte im wesentlichen die gleichen Arbeiten wie festangestellte Erzieherinnen«, berichtet die junge Neuköllnerin.“ [Lesen:...]

Artikel von Holger Marcks in der Jungen Welt, 09.02.2009.


Praktistreik am 9. Oktober 2009 auf dem Potsdamer Platz in Berlin

Auf dem Potsdamer Platz in Berlin stehen rund 200 Menschen mit Pappschildern. Auf einem Transparent ist mit schwarz-roter Farbe „Praktistreik 09“ geschrieben, manche TeilnehmerInnen haben weiße Masken auf, andere halten Plakate in die Höhe mit Aufschriften wie „Null-Euro-Jobber“ oder „Wer arbeitet, darf auch streiken“. Praktikanten der Tageszeitung taz haben die Idee gehabt, einen PraktikantInnenstreik zu organisieren. [Lesen:...]

Willi Kufalt


Weitere Artikel zum Thema:

„Praktikantin scheitert vor Gericht.“

Artikel von Peter Nowak in der taz, 14.02.2009. [Lesen:...]

„Lohnwucher bei Praktika schwer nachweisbar.“

Artikel von Holger Marcks im Neuen Deutschland, 13.02.2009. [Lesen:...]



* * *
(Anm.: Diese Seite befindet sich zu großen Teilen noch im Aufbau. Die Materialien zu den jeweiligen Themen werden Stück für Stück ergänzt. Solltest du etwas wichtiges vermissen, so bitten wir dies zu entschuldigen.)

DIREKTE AKTION

Direkte Aktion

Aktuelle Ausgabe

Ein Probeheft oder ein Abo kannst du hier bestellen.



MITMACHEN!
Hast du schon einmal ohne Lohn zu erhalten gearbeitet?

Mit dem Ausfüllen dieses Fragebogens hilfst du uns, Berichte über unbezahlte Arbeit zu sammeln.


Bewerbt die Kampagne.
Bindet das Banner in eure Webseiten ein.
Hier ist der Code zum kopieren.


© Copyfree 2007-2008 @ Freie ArbeiterInnen Union - Berlin