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Unbezahlte Arbeit nicht hinnehmen
Eine Kampagne will Strategien kollektiver Gegenwehr ausloten
“Schuftest Du oder verdienst Du schon?“ Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen, die sich von einem un- oder schlecht bezahlten Praktikum zum nächsten hangeln. Als Generation Praktikum sind sie schon in die Literatur und das Feuilleton eingegangen. Für Matthias Schneider vermittelt der Begriff allerdings die falsche Vorstellung, dass davon vor allem junge Leute im Kulturbereich betroffen seien. Besonders im Bereich der Gastronomie und dem Einzelhandel, aber auch im Verlagswesen nehme die unbezahlte Arbeit in Form von Praktika und Probeschichten zu, so Schneider. So habe beispielsweise die Kunstbedarfskette Boesner Ende 2006 und Mitte 2007 auf seiner Internetseite Stellen im Verkaufsbereich ausgeschrieben. Jobsuchende, die sich daraufhin beworben hatten, seien zu einer zweitägigen Probearbeit ohne Lohn im Verkaufsbereich eingeladen worden. Doch am Ende winkte nicht die begehrte Festanstellung, sondern das Angebot einer Teilzeitstelle auf 400-Euro-Basis.
Darüber haben kürzlich Betroffene berichtet, die der Kampagne „Keine Arbeit ohne Lohn“ ihre Erfahrungen mitteilten. Hierbei handelt es sich um eine Initiative der anarchosyndikalistischen Freien ArbeiterInnen-Union (FAU), einer kleinen Gewerkschaft außerhalb des DGB. Wir legen den Schwerpunkt auf die Selbstorganisierung der Beschäftigten, betont Schneider, der sich als Mitinitiator der Kampagne gerade tiefere Einblicke in die Welt der Probeschichten und Praktika verschafft. Das ist gar nicht so einfach, wie er mittlerweile erfahren musste. Der Kontakt zu den Betroffenen bei Boesner war zustande gekommen, weil die FAU dort schon länger mit Beschäftigten Kontakt hat, die kürzlich in mehreren Städten Aktionen gegen die Wiedereinführung der Samstagsarbeit durchführten. Doch viele Praktikanten und Absolventen von unentlohnten Probeschichten sind schwer zu erreichen. Die Hoffnung auf den begehrten Job nach immer neuer Probearbeit spielt dabei eine große Rolle. „Wenn es dann wieder nicht geklappt hat, wird es in der Regel als individuelles Problem und persönliches Versagen wahrgenommen. Die Konsequenz ist dann häufig, sich das nächste Mal noch mehr anzustrengen, um vielleicht doch noch einen Job zu kriegen. Gegen dieses Denken wollen wir mit unserer Kampagne angehen“, betont Schneider. "Unbezahlte Arbeit ist kein persönliches Problem und man kann sich dagegen wehren", lautet die Botschaft.
Rechtstipps gefragt
Mittlerweile wurde die Homepage http://www.keine-arbeit-ohne-lohn/ eingerichtet, auf der Erfahrungsberichte von Beschäftigten ohne Lohn gesammelt werden sollen. Als Orientierungshilfe wurde ein Fragebogen erstellt, der auf der Internetseite der Kampagne abgerufen werden kann. Es gab schon erste Reaktionen von Betroffenen. Doch der Rückfluss sei noch bescheiden, so Schneider.
Allerdings würden sich vermehrt Praktikanten über die Kampagnen-Homepage nach rechtlichen Tipps erkundigen, mit denen sie gegen unbezahlte Arbeit vorgehen können. Dazu könnte ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg beigetragen haben. Es hat vor einigen Wochen einer Frau Recht gegeben, die sechs Monate als Praktikant bei einer Veranstaltungsagentur gearbeitet hat. Die Firma muss ihr jetzt mehrere Tausend Euro Lohn nachzahlen.
Peter Nowak
Aus: Neues Deutschland (18.7.2008)
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(Anm.: Diese Seite befindet sich zu großen Teilen noch im Aufbau. Die Materialien zu den jeweiligen Themen werden Stück für Stück ergänzt. Solltest du etwas wichtiges vermissen, so bitten wir dies zu entschuldigen.)
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