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PLUS in Spanien entlässt junge Mutter, die ihre Rechte fordert (Update)

Internationales - 19.05.2006 von FAU

Fátima Fernández, Arbeiterin der PLUS-Filiale 'Carretera de Su Eminencia' in Sevilla (Spanien) und Mitglied unserer Schwesterorganisation CNT-AIT, wurde von ihrem Arbeitsplatz entlassen, da sie die ihr als Mutter zustehenden Rechte eingefordert hat. Mit der Forderung nach sofortiger Wiedereinstellung von Fátima haben dutzende von Syndikaten in Spanien, Deutschland, Österreich und der Schweiz in den letzten Wochen schrittweise damit begonnen, KundInnen der Kette PLUS über die dort herrschenden Arbeitsbedingungen zu informieren. Solange es keine Lösung des Konfliktes im Sinne der entlassenen Kollegin gibt, werden diese Aktionen auf weitere Städte und ggf. auch auf andere Länder, in denen es Märkte der Tengelmann-Gruppe gibt, ausgedehnt werden. Dies ist die Art und Weise, wie wir als anarcho-syndikalistische GewerkschafterInnen seit jeher auf Angriffe gegen eine von uns reagieren.

Im folgenden zur näheren Information: ein Flugblatt und Aktionsberichte. Das Bild zeigt übrigens unsere spanischen GenossInnen bei einer Protestaktion während des UEFA-Pokalspiels am 15.3.2006 im Stadion von Sevilla.

Fátima arbeitete bereits 5 Jahre bei der Firma PLUS. Ihre Wochenarbeitszeit betrug 24 Stunden, verteilt auf drei verschiedene Schichten morgens, abends und nachts (in Spanien gibt es keinen Ladenschluss). Sie verdiente dabei monatlich ungefähr 500 Euro. Nachdem nun ihre Tochter geboren wurde, bat Fátima die Firma PLUS um feste tägliche Arbeitszeiten von 12:00 bis 16:00 Uhr, um sich um ihr Kind kümmern zu können. Nach wiederholten diesbezüglichen Anträgen, welche von PLUS nie beantwortet wurden, zog unsere Kollegin im Mai 2005 vor Gericht. PLUS wurde vom Gericht verurteilt, "die Kollegin zu festen täglichen Zeiten zwischen 12:00 und 16:00 Uhr zu beschäftigen, damit ihr ermöglicht wird, sich um ihre Tochter zu kümmern und zwar bis zum 31. März 2010, wenn das Kind 6 Jahre alt sein wird." Weniger als 48 Stunden nach diesem erfolgreichen Prozeß, kündigte die Firma PLUS unserer Kollegin zum 20. Oktober 2005.

In der Zeit bis zu ihrer Entlassung wurde Fátima durch PLUS gezwungen, an einer völlig abgelegenen, niemals benutzten Kasse des Supermarktes zu arbeiten, um sie von ihren Kolleginnen zu isolieren. Im Sommer zwang die Geschäftsleitung sie täglich um 14:30 Uhr mittags (bis 43 Grad Celsius in Sevilla), die riesigen Müllsäcke in mehrere hundert Meter entfernte Container zu tragen. Dies bewirkte, daß Fátima einen Schwächeanfall bekam und in eine Klinik eingeliefert wurde.

Vor Gericht wurde erklärt, daß Fátima "unter täglich wechselnden Essenszeiten leidet, sowie unter der Unmöglichkeit die Tochter mitzunehmen oder sie zu festen Zeiten aus dem Kindergarten abzuholen." Ausserdem wurde "die Schwierigkeit mit der Tochter zu Kinderärzten zu gehen oder mit der ihr die Freizeit zu verbringen" sowie "die unablässige Suche nach jemanden, der sich um die Tochter kümmert" beschrieben. Es wurde festgestellt "dass die Arbeitszeiten, zu denen Fátima gezwungen wird,
psychologische Beeinträchtigungen sowohl der Mutter als auch des Kindes mit sich bringen wird".

Wir fordern von PLUS die sofortige Weiterbeschäftigung von Fátima zu den von ihr gewünschten und vom Gericht festgelegten Zeiten.

Wir zeigen PLUS, dass ein Angriff auf eine von uns ein Angriff auf uns alle ist. Wir protestieren international vor Filialen des Tengelmann-Konzerns, bis unsere Forderungen erfüllt sind.


FAU-IAA Hamburg, Leipzig, et al.

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22.05.2012 - Quelle: http://www.fau.org/soli/plus/art_060205-180233