Kommentar - 07.02.06
von faul3
Worum geht's bei Gate Gourmet und was hat LTU damit zu tun?
... und wenn sie nicht gewinnen, ...
Streik der Beschäftigten bei Gate Gourmet in Düsseldorf dauert an - keine Seite zum Einlenken bereit
Neuen Regierungen gesteht man gemeinhin 100 Tage Einarbeitungszeit zu. Der Streik bei Gate Gourmet hat diese Dauer längst überschritten und scheint sich noch ganz gut zu halten. 82 von 120 Beschäftigte der weltweit zweitgrößten Catering-Firma für Bordverpflegung sind seit dem 07.10.2005 im Ausstand, um sich gegen erneute Verschlechterungen der ohnehin schon auszehrenden Arbeitsbedingungen zu wehren. So soll die Arbeitszeit auf 40 Stunden pro Woche verlängert, der Jahresurlaub um 5 auf 25 Tage verkürzt und Zulagen gestrichen werden.
Die bisherigen Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG) und der Geschäftsleitung blieben ergebnislos. Die NGG fordert als Ausgleich zu den Rationalisierungsplänen eine Lohnerhöhung von 4,5 Prozent. Doch auch nach 90 Tagen Arbeitskampf zeigte sich Gate Gourmet International wenig beeindruckt und legte ihrerseits drauf: nun sollen zusätzlich Jahressonderzahlung komplett sowie drei Urlaubstage gestrichen, die Arbeitszeit auf 40 Stunden verlängert und die Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit reduziert werden. Das Arbeitszeitkonto soll mit minus 32 Stunden beginnen, was auf
unbezahlte Mehrarbeit hinausläuft. Doch um ein paar Prozent Lohn geht es schon längst nicht mehr nur, es geht um die Frage, inwieweit der Chef die Bedingungen diktieren kann. Hier wird nicht nur für bessere Arbeitsbedingungen gekämpft, sondern auch um menschenwürdige Arbeitsbedingungen - was nützt eine Arbeit, die unerträglich ist?
Deshalb können die Arbeiterinnen nicht einfach nachgeben - verlieren sie, müssen sie sich anschließend alles gefallen lassen, um überhaupt in Lohn und Brot zu bleiben - gewinnen sie, machen sie zwar finanzielle Verluste, da die angestrebte Lohnerhöhung den Lohnausfall durch den sehr langen Streik nicht ausgleichen kann, hätten damit aber auch ein starkes Signal an alle anderen Belegschaften in Betrieben von Gate Gourmet gesandt. Vor diesem Hintergrund wäre eine Solidarisierung, gerade von anderen Belegschaften in deren eigenem Interesse.
... dann streiken sie noch immer!
Doch auch für Gate Gourmet "rechnet" sich der Konflikt nicht. Die bisherigen Mehrkosten dürften bereits weit über dem liegen, was ein Eingehen auf die moderate Lohnforderung kosten würde. Eine Niederlage der ArbeiterInnen in Düsseldorf würde dem Konzern an allen Standorten die Abpressung von mehr Arbeit erleichtern. Deshalb lässt er sich auf keine Verhandlungen ein. Inzwischen will sich der Hauptanteilseigner der Unternehmens, die Texas-Pacific-Group (USA) direkt in die Verhandlungen einschalten. Der Konzern ist unterdessen ständig bemüht, den Eindruck von Normalität zu erwecken: Täglich fahren Streikbrecher, die von Leiharbeitsfirmen ausgeliehen werden am Streikzelt vorbei. Insgesamt investiert Gate Gourmet eine Menge Geld um die Ausfälle mit Streikbrechern, zusätzlichen Anlieferungen und verstärkten Sicherheitsmaßnahmen gegen mögliche Torblockaden zu kompensieren.
Auch wenn es keinen anderen Niederlassungen von Gate Gourmet zu weiteren Streiks kam, erhalten die Düsseldorfer Geldspenden, Solidaritätsschreiben und Nachrichten über Solidaritätsaktionen. So am 17. 12. in Berlin, am 24. Dezember mussten 5 Maschinen der Fluglinie LTU (Hauptkunde und ehemaliger Eigner von Gate Gourmet bzw. deren Vorgängerin LTC) ohne Bordverpflegung für die Passagiere abheben. Weitere Öffentlichkeit erfuhr der Ausstand durch Proteste in Magdeburg, am Düsseldorfer Flughafen, in Hannover, Hamburg, Berlin, Frankfurt sowie in Zürich, Paris und Madrid.
Wie und wann dieser Streik auch enden wird: die Erfahrung sich über ein Vierteljahr gemeinsam gewehrt zu haben, kann den ArbeiterInnen niemand mehr nehmen.
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