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News - 05.01.06 von soli

«Es fing an, als McKinsey bei uns war» - Streik bei Gate Gourmet am Düsseldorfer Flughafen.

Seit dem 7. Oktober 2005 streiken am Flughafen Düsseldorf über 80 ArbeiterInnen des Catering-Konzerns Gate Gourmet (GG). Auch Gruppen der FAU haben sich in Düsseldorf und an anderen GG Standorten in Frankfurt, Berlin und Hannover an Solidaritätsaktionen beteiligt. Sogar GenossInnen der CNT, die sich zur Zeit im Streik gegen die Airline Iberia befinden, informierten am Flughafen in Madrid und diskutierten mit ArbeiterInnen von Air Cater und Iberswiss, den dortigen GG Tochtergesellschaften, über den Streik in Düsseldorf. Solidarität ist weiterhin wichtig für die Streikenden, die sich schon so lange, mutig und geschlossen gegen das Dumping ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen wehren.

Gate Gourmet, zweitgrößter Airline-Catering Konzern, sorgte im August 2005 für weltweite Schlagzeilen. Am Fluhafen Heathrow weigerte sich die GG-Belegschaft, einem "Sanierungsplan" zuzustimmen, worauf das Management Stellenstreichungen und den Einsatz von Leiharbeiterinnen ankündigte. Die daraufhin erfolgende Versammlung der Schicht am 10. August wurde von der Geschäftsleitung in einer offenbar geplanten Aktion eingesperrt und mit der Aufforderung konfrontiert, den neuen Bedingungen zuzustimmen. Als sich die ArbeiterInnen weigerten, wurde die komplette Schicht, ca. 670 Leute, entlassen! Darauf kam es zu einem Solidaritätsstreik bei British Airways (das dortige Catering war 1997 an Gate Gourmet verkauft worden), und zwar stellte das Bodenpersonal in Heathrow für ca. zwei Tage die Arbeit ein - der BA Flugplan brach tagelang komplett zusammen, mindestens 70.000 Passagiere waren betroffen oder gar gestrandet, es gab Turbulenzen im internationalen Flugverkehr.

Bisher weniger turbulent, aber dafür schon seit drei Monaten läuft der Streik bei GG am Düsseldorfer Flughafen. Die dortige GG-Filiale ("unit") entstand vor 4 Jahren, als die Fluggesellschaft LTU - immer noch Hauptkunde von GG Düsseldorf - wegen Finanzproblemen seine Catering-Tochtergesellschaft LTC an GG verkaufte und diese in Düsseldorf mit der kleineren GG Niederlassung zusammengelegt wurde. Der GG-Konzern selbst wurde wegen des Bankrotts der Swissair 2001 von dieser an den US Investor Texas Pacific Group (TPG) verkauft. TPG ist eine private Beteiligungsgesellschaft und z.B. auch bei Burger King und Grohe beteiligt, wobei die Kreditlasten der Übernahme den übernommenen Unternehmen aufgehalst werden, und damit der Rentabilitätsdruck gesteigert wird. Sind die Übernommenen dann nach einigen Jahren auf hochprofitabel "saniert" worden, werden sie mit Gewinn (für die Investoren) wieder verkauft.

Auf den ersten Blick hat der Düsseldorfer Streik seinen Ursprung mit der Kündigung des (Haus-)Entgelttarifvertrages im Mai 2005 durch die NGG, in der die Streikenden organisiert sind, und der Forderung nach 4,5% Lohnerhöhung - dem waren zwei Jahre "Sanierungsverzichte" vorangegangen. Bei Verhandlungen im August kündigte dann das Management den (Haus-)Manteltarifvertrag und forderte höhere Wochenarbeitszeit und 5 Tage weniger Urlaub. Diese Provokation passt aber zur zugrundeliegenden und für den Konflikt zentralen Entwicklung der letzten Jahre. Die Arbeitsbedingungen und das Betriebsklima hatten sich seit dem intensiven "Besuch" der Kopflanger von McKinsey immer weiter verschlechtert. So wurde z.B. die Zahl der LKW Fahrer von 90 auf 36 reduziert und dadurch, dass jetzt einer die Flugzeugbeladungen macht, was früher zu zweit gemacht wurde, hat sich die Arbeitshetze - und der Krankenstand - massiv erhöht. Rationalisierung im Fabrikstil funktioniert aber am Flughafen nicht, sondern lädt den durch Wechselschichten und Arbeitszeitkonten ohnehin schon hoch "flexibilisierten" ArbeiterInnen noch zusätzlichen Stress auf, da es keine Pufferzeiten mehr gibt, in denen auftretende Probleme gelöst werden könnten. GG setzt derweil auf Druck durch Abmahnungen, den Verzicht auf Neueinstellungen und immer höhere Anteile von Leiharbeit. Und mindestens in einer GG "unit", in Kelsterbach bei Frankfurt, haben sie einen tarif- und gewerkschaftsfreien Zustand erreicht, vmtl. ist das auch ihr Ziel in Düsseldorf. So ließ GG ein Verhandlungsergebnis vom 6. Dezember, das die Streikenden mglw. akzeptiert hätten, am Tag darauf wieder platzen.

Am Streikzelt vor Halle 8 des Düsseldorfer Flughafens hört und sieht man, dass es bei dem Konflikt um mehr geht als um Lohnprozente. "Menschenwürde" steht auf Transparenten und die Streikenden, die übrigens aus vielen Ländern stammen, haben die Nase voll von den Zumutungen "da drin" im Betrieb. "Draußen" sind sie im Laufe des unerwartet (und in der NGG beispiellos) langen Streiks zusammengewachsen und haben, unterstützt von der NGG, schon eine Menge Aktivitäten entfaltet: Streikzeitungen, Fluggastinformationen, Demonstrationen und Delegationen, u.a. zu einer besetzten Nestlé-Fabrik in Marseille. Und auch direkte Aktionen, u.a. in Form von Blockaden hat es gegeben. Durch Unterstützungsgrüße, Besuche, Sach- und Geldspenden ist den Streikenden schon viel materielle und ideelle Solidarität zugekommen, was in ihrer schwierigen Lage sehr wichtig ist. Dabei handelt es sich in den überwiegenden Fällen wohl nicht um Traditionsrituale gewerkschaftlicher Apparate, sondern viele Leute scheinen zu spüren, dass es zunehmend wichtiger wird, der immer aggressiveren Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen etwas wirksames entgegenzusetzen - Streik.

Der Wirksamkeit des Düsseldorfer Streiks stehen vor allem zwei Faktoren entgegen: Streikbrecherei und Isolation. Die Streikbrecherei besorgt - neben der "drin" gebliebenen Verwaltung - von anderen GG "units" entsandtes Personal, aber auch LeiharbeiterInnen türkischer Herkunft der Duisburger Firma Goldberg & Avci GmbH. Deren Chef und von daher Streikbruchprofiteur Sevket Avci ist pikanterweise Vorsitzender des Beirates für Zuwanderung und Integration der Stadt Duisburg. Laut Indymedia-Berichten ist dieser Zusammenhang kürzlich in Duisburg auch durch zweisprachige Plakate öffentlich gemacht und das Büro von Avci verwüstet worden.

Zur Isolation des Streiks: es hat im Gegensatz zu Heathrow bisher kein Überspringen des Düsseldorfer Streiks am dortigen Flughafen oder auch innerhalb von GG gegeben. In beiden Bereichen gibt es zur Zeit bzw. in Kürze wieder Verhandlungen bzw. schwebende Zustände mit Friedenspflicht - in der Zuständigkeit von ver.di. Bezugspunkte für gemeinsame Kämpfe gäbe es genug - outsourcing, Leiharbeit, Flexibilisierung, Arbeitszeitverlängerung, Verzicht stehen auch in der ehemaligen Edelbranche Flughafen längst überall auf der Tagesordnung. Wer - sinnvollerweise - nicht auf ver.di warten will, sollte den Streik jetzt schon unterstützen. Neben Spenden helfen z.B. Informationsverbreitung, Aktionen auch an anderen Flughäfen wie am 17.12. oder effektive Blockaden wie zuletzt Heiligabend in Düsseldorf (nach einem ökumenischen Gottesdienst am Streikzelt;-).

(Dieser Beitrag ist erschienen in der Direkte Aktion Ausgabe 173 - Januar | Februar 2006

Spendenkonto und weitere Informationen:

Spendenkonto der Gewerkschaft NGG zur Unterstützung der Streikenden:
SEB Düsseldorf, BLZ 300 101 11, Kto-Nr. 165 021 73 00, Stichwort "Streik Gate Gourmet".

Sonderseite zum Streik bei www.fau.org mit Links zu weiteren Informationen

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