Rache für den Streik
News - 22.09.2008 von AE
In Marseille droht La Poste einem Briefträger und CNT-Mitglied
UPDATE (CNT-PTT.) Serge Reynaud, einem Briefträger im 1. Arrondissement von Marseille, droht die Entlassung, über die am 10. September der Zentrale Disziplinarrat der französischen Post La Poste in Paris entscheidet.
Besser: Entscheiden sollte. Die Vertreter der Belegschaft in diesem Gremium blieben dem Termin fern, um eine Sanktionierung des Kollegen wegen seiner Aktivität im Streik zu verhindern. Das ist Solidarität!
Eine zweite Sitzung in dieser Angelegenheit ist für den 26.9. anberaumt. Dieser neuerliche Anschlag des Arbeitgebers kommt nicht aus heiterem Himmel...
Zum Hintergrund: Vom 14. bis 31. Mai 2008 hatten die Gewerkschaften CGT und SUD die Poste-Beschäftigten zum Streik aufgerufen. Damit wendeten sie sich gegen das Projekt „Briefträger der Zukunft“, mit dem die komplette Brieflogistik und Briefzustellung umstrukturiert werden soll. Im gesamten Département Bouches du Rhône, auf das sich der Streik erstreckte, sind dadurch etwa 1.000 Jobs gefährdet. Auf der Tagesordnung dieses Management-Projekts stehen u.a. die Schließung von Verteilzentren, die Neuordnung von Normen und die Verdichtung des Arbeitstaktes.
In dem Département am Mittelmeer sorgte der „Briefträger der Zukunft“ bereits für Unmut und Bewegung – im Oktober 2006 und März 2007 musste das Poste-Management Zugeständnisse an die kämpfenden Briefträger machen. Dieses Jahr, 2008, wurde der Konflikt besonders hart geführt: Streikende wurden durch Leiharbeiter ersetzt, Justizbeamte waren in allen Streikzentren zugegen, den Streikenden wurde „unentschuldigte Fehltage“ angerechnet, etc. Trotz der 17 Tage Streik, an dem sich täglich 400 ArbeiterInnen beteiligten, endete die Auseinandersetzung Ende Mai mit einem Patt.
Im Poste-Verteilzentrum (DOTC) des Départements 13 scheinen die Chef-Etagen den Ausstand übel genommen zu haben: Denn am 19. Juni wurde unser Genosse Serge Reynaud zur Geschäftsleitung zitiert. Man warf ihm vor, am 21. Mai in seinem Büro eine fünfminütige Rede gehalten zu haben. Weiter legte man ihm zur Last, sich am 23. Mai an einer kollektiven Aktion beteiligt zu haben, die die Geschäftsleitung an den Verhandlungstisch zwingen wollte – mehr als 100 KollegInnen hatten versucht, in die Eingangshalle des Verteilzentrums vorzudringen. Diese „Vergehen“ gehören zwar zum normalen Streikgeschehen, dienen aber nun, aus dem Kontext gerissen, zur Rechtfertigung von Disziplinarmaßnahmen.
Das Poste-Management träumte schon lange davon, sich beim „Fürstentum Bouches du Rhône“, wie sie es nennen, für die Kämpfe der ArbeiterInnen und der Gewerkschaften zu revanchieren. Jetzt ist Solidarität gefragt!
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