News - 16.04.09
von TW
Was hat es mit Chefduzen.de auf sich?
Um die 10000 Zugriffe hat das vor sechs Jahren gegründete "Forum der Ausgebeuteten" pro Tag: von Beschäftigten aus allen Bereichen der Arbeitswelt, besonders von Leiharbeitern und aus Callcentern, wobei Chef Duzen nicht nur mediale Plattform im Internet sein möchte, sondern den Anspruch hat, die Nutzer und Nutzerinnen auch real zusammenzubringen.
Dieses Projekt wurde aus einer simplen Interpretation des Klassenstandpunktes heraus geboren. Keine Beschränkung auf Blaumann mit gelben Helm und die Stammbelegschaften der Großbetriebe, sondern ein Umgang mit dem heutigen Kapitalismus in all seinen Facetten. Auch für Leiharbeit, New Economy, Callcenter oder Scheinselbstständigkeit wurden Rubriken eröffnet, und für die industrielle Reservearmee am sozialen Abgrund gibt es Extrasparten genauso wie für die Versuche, sich durchzuschlagen in Drückerkolonnen, mit Drogenbiz oder Prostitution.
Ganz zögerlich wurden die ersten Fragen gestellt und Erlebnisberichte ins Netz gestellt. Doch dann begann man recht schnell, sich auszutauschen, und Leute mit einigem Fachwissen waren regelmäßig online, um anderen weiterzuhelfen.
Es dauerte nicht allzu lange, bis die andere Seite sich von dem Treiben in dem Internetforum bedroht fühlte. Als eine Münchner Leiharbeitsfirma versuchte, den Bericht eines ehemaligen Mitarbeiters über illegale Praktiken des Betriebs juristisch zu unterbinden, sorgte sie ungewollt für ungeheuren Popularitätsaufschwung des Onlinetreffpunkts. Das Forum, dessen einzige Waffe die Verbreitung von Informationen gegen ein Unternehmen ist, das Geld und Justiz auf seiner Seite hat, wurde im Netz heftig diskutiert. Und es wurde gleich mit Kanonen auf Spatzen geschossen: falls chefduzen.de den Bericht über den Sklavenhändler nicht aus dem Forum nehmen würde, wurde mit einer Geldstrafe von bis zu 250 000 € bzw. 6 Monate Haft gedroht. Das war erst der Beginn der Angriffe auf das Forum.
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