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Bildungsstreik in Aue

News - 10.07.2009 von X.Y.

Nicht nur in den großen Städten der BRD wurde für humane, emanzipatorische Bildung eingestanden. Inspiriert und entfacht vom bundesweiten Bildungsstreik 2009 fand auch in Aue, einer kleinen Stadt im Erzgebirgskreis, eine Kundgebung mit Redebeiträgen und Infostand, statt. Es versammelten sich ca. 200 SchülerInnen, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen und die Missstände, vornehmlich an den Schulen im Landkreis, aufzuzeigen. Neben LehrerInnenmangel beklagte mensch die Einteilung der Bildung in Haupt-, Real- und Gymnasialschulen. Damit wird Entfremdung untereinander und eine klassenartige Gesellschaft gefördert. SchülerInnen sollten bis zur achten Klasse gemeinsam unterrichtet werden, egal, wie begabt, intelligent oder allgemeinwissend sie sind. Es ist nicht richtig, so hieß es, Menschen anhand ihrer schulischen Situation und ihrer genossenen Bildung zu klassifizieren! Dass der Aufruf der OrganisatorInnen positive Resonanz fand, zeigte sich dann am 17.06. auf dem Altmarkt in Aue.

Aber kommt Streik, kommt Repression, um es einmal so zu formulieren. So wurde am BSZ für Wirtschaft- und Sozialwesen in Schwarzenberg einmal mehr gezeigt, dass sich die Interessen der Schulleitung und die Interessen, Wünsche und Vorstellungen der SchülerInnen, was das Bildungssystem angeht, nicht gerade ähneln. Mit Verweis auf das „Streikverbot“ für SchülerInnen und die Drohung mit Konsequenzen durch Fehltage, wurden die Ideen und wirklichen Ziele des Bildungsstreiks von vornherein unterbunden und denunziert. Außerdem wurde Infomaterial einfach konfisziert und eine regelrechte „Fahndung“ nach dem/derjenigen eingeleitet, der/die dieses „revolutionäre Teufelszeug“ verteilt bzw. ausgelegt hatte. Der Solidarität der SchülerInnen untereinander ist es zu verdanken, dass diese Repressionsmaßnahme der Schulleiterin, die an vergangene Zeiten erinnerte, keinen Erfolg hatte. Aber warum eine derartige Antipathie gegenüber Engagement und Partizipation der bundesweit Streikenden? Auf diese Frage gibt es wahrscheinlich nur zwei Antworten. Erstere wäre, dass die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Bildungsstreik vollends in die Hose gegangen ist, oder gar nicht erst stattfand. Dies würde auch eine Bemerkung wie „Was sind denn das für Flyer?“ erklären. Es war also gar nichts bekannt vom Bildungsstreik 2009 und die Schulleitung erfuhr davon das erste mal zufällig im Schulhaus beim „Routinendurchgang“.
Zweite Antwort ist vielleicht auch, dass sich zwar objektiv mit den Forderungen der Streikenden auseinandergesetzt wurde, jedoch einfach das Verständnis dafür nicht vorhanden war. Wieso nur? Mensch bekommt in Schulen, Unis, Lehrwerkstätten jeden Tag zu hören, dass er/sie sich doch mehr einbringen müsse, Selbstinitiative zu zeigen sei und die subjektive Wahrnehmung ein wichtiger Bestandteil für die weitere Entwicklung des Charakters ist. Irgendetwas stimmt doch da nicht ganz. Auf der einen Seite die Forderung nach Partizipation junger Leute, auf der anderen jedoch Verachtung für neue, bessere Bestrebungen. Genau einem solchen Verhalten seitens der oberen Instanzen ist es zu verdanken, dass sich bundesweit SchülerInnen, StudentInnen und Azubis auf die Straße stellen und bessere, humanere, selbstbestimmtere Bildung fordern!
Im Übrigen wurde die Präventivmaßnahme in Form der Drohung mit Fehltagen in die Tat umgesetzt und alle ScülerInnen, die am 17.06. in Aue zur Kundgebung erschienen, erhielten einen unentschuldigten Fehltag. Ist das gerecht? Fördernd? Intelligent? Gebildet? NEIN! Darum war der Bildungsstreik 2009 in Aue und in ganz Deutschland erst der Anfang!

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22.05.2012 - Quelle: http://www.fau.org/ortsgruppen/sws/art_091025-195410