Resolution des ersten internationalen StudentInnen-Treffens "Encuentro" vom 20.-24. April 2000 in Räumlichkeiten der Schule El Mexe, Hidalgo
Vereinbarung:
Dieses internationale Treffen gibt hiermit einem internationalen, studentischen Netzwerk
zu
Zwecken der Organisation, der Information, der Aktionsplanung und Vorbereitung des
zweiten internationalen "Encuentro" Gestalt.
Grundsätze
Wir einigen uns auf die folgenden Grundsätze und Prinzipien für das Netzwerk:
Wir lehnen imperialistische und neoliberale Politik, die vom Internationalen
Währungsfond (IWF), der Weltbank und den OECD-Staaten diktiert werden,
eindeutig ab. Wir wenden uns ebenso gegen alle Regierungen, die diese Politik
vertreten und ausführen. Wir verurteilen besonders die Implementierung einer
solchen Politik in den Bildungsbereich.
Wir kämpfen für einen größtmöglichen Bildungshaushalt. Der Haushalt muß so lange
erhöht werden, bis er 12 % des Bruttosozialproduktes eines Landes erreicht hat.
Länder, die ihren Staatshaushalt benutzen, um daraus Auslandsschulden zu
begleichen, sollen diese Mittel umleiten, um das Ziel der höheren Bildungsausgaben
zu erreichen.
Wir kämpfen für die Verteidigung von freier, öffentlicher und kostenloser Bildung auf
allen Ebenen weltweit.
Wir verlangen die Demokratisierung der Hochschulen und aller Einrichtungen der
höheren Bildung sowie ihrer Organisationstrukturen. Wir fordern ebenso Respekt
vor der Unabhängigkeit der Hochschulen.
Wir fordern, die Rolle und Aufgabe von Hochschulen in einer Gesellschaft zu
überdenken und neu zu definieren. Die Geistes- und Sozialwissenschaften müssen
gestärkt werden.
Wir wollen unsere Forderungen, unsere Kämpfe und unser Engagement mit denen
anderer sozialer Gruppen und Schichten verbinden, wie den ArbeiterInnen, den
Bäuerinnen und Bauern, den indigenen Gemeinschaften, den MigrantInnen und den
Lesben und Schwulen, damit uns der gemeinsame, vereinte Kampf für die Rechte
aller Menschen gelingt.
Wir fordern die sofortige Freilassung der politischen Gefangenen von der UNAM
und überall auf der Welt.
Unser studentisches Netzwerk soll unabhängig von Regierungen und politischen
Regimes bleiben.
Nach einer Diskussion können wir uns im Konsens auf folgendes einigen:
Der generelle Streikrat der UNAM (CGH) ist hierarchiefrei organisiert, seine
VertreterInnen rollieren, sind austauschbar, rückrufbar und sind den
Versammlungen, die sie delegiert haben durch das imperative Mandat
verpflichtet und weisungsgebunden. Der CGH wird seine eigenen
Arbeitsweisen reflektieren und weiter demokratisieren und hofft, mit seinen
Erfahrungen andere Organisationen unterstützen zu können. Dennoch
erkennen wir auch die Organisationsfreiheit und Autonomie aller
Gruppierungen jedes Landes an, die Teil des Netzwerkes sind oder werden
wollen.
(Diese Entscheidung wurde von 24 Delegationen unterstützt, incl. CGH 25).
Weitergehende Meinung:
Verbessern und verteidigen wir den CGH als demokratische,
graswurzelähnliche und basisnahe Organisationsform!
Wir wenden uns gegen die bürokratischen StudentInnenvereinigungen, die
unsere Forderungen und unser Engagement verraten. Wir argumentieren und
setzen uns ein für eine ähnliche Organisation wie den CGH in allen Ländern,
wir sprechen für die autonome Selbstorganisation der StudentInnen unserer
Länder nach den Prinzipien der Rätestrukturen, der Rotation und des
imperativen Mandats.
(Diese Erklärung wurde von 13 Delegationen unterstützt)
Erklärungen:
Wir lehnen die Politik der Europäischen Kommission in Brüssel ab, die sich einer
Ideologie unterordnet, die das weitere Eindringen des Kapitalismus in die
Hochschulen favorisiert und vorantreibt. Die Europäische Kommission behauptet,
daß sie nach der "Harmonisierung" von Bildungssystemen in Europa strebt, dabei
setzt sie in Realität nur die Einführung des amerikanischen Modells von Bildung
durch. Sie begreift die Hochschulen als Unternehmen, die die Schaffung des neuen
Industriezweiges Bildung fordern. Dieses Unternehmen Hochschule muß seine
Produkte auf einem Bildungsmarkt verkaufen, auf dem die Gesetze von Angebot und
Nachfrage gelten.
Wir erklären uns solidarisch mit den StudentInnen, ArbeiterInnen und Bäuerinnen
und Bauern in Bolivien und verurteilen Repression und Unterdrückung.
Wir protestieren dagegen, daß unsere brasilianischen Freundinnen und Freunde am
vergangenen 22. April 2000 zu Opfern von Repression und Unterdrückung
geworden sind und verlangen die sofortige Freilassung der Gefangen Genommenen.
Wir protestieren gegen die Militarisierung, unter der das Volk von Chiapas leidet.
Der nächste studentische, internationale "encuentro" wird in Quebec, Kanada im April 2001 durchgeführt.
Übersetzt von Kerry Sailer, Mai 2000