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OG - 30.12.30Psychiatrie und GesellschaftWir veröffentlichen an dieser Stelle grundsätzliche Auseinandersetzungen mit und Stellungnahmen zum Bereich der Psychiatrie, zeigen Entwicklungen auf, formulieren Kritik und zeichnen Gegenentwürfe. |
Kommentar - 22.07.07Das psychiatrische System – eine Diskussion (3.Teil, 3.3)von Lissi Bettina KöchlingDieses Dilemma spiegelt sich auch in den Literaturempfehlungen wieder. Es sind gute und wichtige Bücher dabei, für den Alltag jedoch, im Sinne „Leben mit einer psychischen Beeinträchtigung“- Nichts. Na, auch gut: dann brauchen wir wenigstens nicht schon wieder etwas Ungenießbares auslöffeln. 1) Frauen, Gewalt, Selbstverletzungen, Psychiatrie: Die Narben der Gewalt,1992, von Judith Lewis Herman, Psychiaterin und Klinikleiterin, nennt die Gemeinsamkeiten „zwischen Vergewaltigungsopfern und Kriegsveteranen; zwischen politischen Gefangenen und misshandelten Frauen“. Dazu muss ich sagen, dass die ersten offiziellen Untersuchungen über Multiple Persönlichkeiten in den USA erfolgten, und zwar aufgrund der Erkrankungen von Vietnam- Veteranen! |
Kommentar - 22.07.07Das psychiatrische System – eine Diskussion (3.Teil, 3.2)von Lissi Bettina KöchlingWir vom Landesverband Psychiatrie-Erfahrenen Hessen haben 97/98 einen Forderungskatalog für den Landesbehindertenrat zusammengetragen. Wir meinen, dass die Möglichkeit, auf Dauer behindert zu sein, erstmal in das Bewusstsein psychisch Kranker dringen muss. Nur so haben wir eine Chance zu lernen, damit zu leben, ohne von Therapie zur Tagesstätte zum psychosozialen Dienst zum betreuten Wohnen zum Neurologen zum Psychiater zur Kontakt- und Beratungsstelle zu rennen – und immer noch meinen, wir geben uns eben nicht genug Mühe; bei so vielen Hilfsangeboten kann es nur an uns liegen, dass wir weiter nur eingeschränkt konzentrationsfähig sind, kaum oder gar nicht Nähe anderer ertragen, unsere Tics nicht kontrollieren, Panikattacken auf offener Strasse oder im Supermarkt haben, nachts zitternd aus dem Bett flüchten oder uns morgens nicht heraustrauen, bei Schritten vor unserer Tür, Telefon- und Türklingel, Geschrei, jedem lautem Geräusch Atemnot bekommen... |
Kommentar - 22.07.07Das psychiatrische System – eine Diskussion (3.Teil, 3.1)Wir möchten an dieser Stelle eine offene Diskussion anregen und geben deshalb unterschiedlichen Standpunkten Raum, auch wenn sie nicht immer mit unseren Sichtweisen übereinstimmen.Im Folgenden dokumentieren wir einen Diskussionsbeitrag, der uns von einer Psychiatrieerfahrenen zugesandt wurde. Der Bericht setzt sich kritisch mit der Geschichte der Psychiatrie auseinander, wobei v.a. subjektive Erfahrungen mit eingeflossen sind. Der Artikel wurde vor einigen Jahren für das Netzwerk Behinderter Frauen geschrieben. von Lissi Bettina Köchling Die Geschichte der Medizin und insbesondere der Psychiatrie ist traditionell frauenfeindlich und beschäftigt sich in einigen Disziplinen hingebungsvoll mit der Kontrollierbarkeit bis hin zur Bekämpfung der weiblichen Sexualität. Füße- und Brustabbinden, Halsstrecken, Einschnüren, Sterilisationen, pharaonische Beschneidungen, Klitorisresektionen, Hysterektomien (Amputation der Gebärmutter), „Schönheits“- Chirurgie, oder die elegante Methode: Psychopharmaka als eine Art chemischen Exorzismus. Die Entfernung der Klitoris war bis Mitte der 50er Jahre eine offizielle Therapie in amerikanischen (und wahrscheinlich auch europäischen) Psychiatrien, die Hysterektomie oder Totaloperation „Routine“-Eingriff („Ausräumen“ genannt) bis weit in die 70er Jahre Mittel der Wahl gegen alle „ Frauenleiden“. |
Kommentar - 20.01.07Das psychiatrische System - eine Diskussion (2.Teil)In der Ausgabe November/Dezember 2006 (1) erschien in unserer Gewerkschaftszeitung "Direkte Aktion" (DA) ein Interview mit René Talbot, Mitglied des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener und seit Jahren aktiv in der Irren-Offensive, über Probleme der Zwangspsychiatrie. Die erneute Veröffentlichung des Interviews und unserer Erwiderung darauf (2) erfolgt an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung der DA-Teilredaktion "Betrieb und Gesellschaft". |
Kommentar - 20.01.07Das psychiatrische System - eine Diskussion (1.Teil)In der Ausgabe November/Dezember 2006 (1) erschien in unserer Gewerkschaftszeitung "Direkte Aktion" (DA) ein Interview mit René Talbot, Mitglied des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener und seit Jahren aktiv in der Irren-Offensive, über Probleme der Zwangspsychiatrie. Die erneute Veröffentlichung des Interviews und unserer Erwiderung darauf (2) erfolgt an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung der DA-Teilredaktion "Betrieb und Gesellschaft". |
Kommentar - 30.12.06Anachronistische PsychiatrieMit der vom Bundestag verabschiedeten Psychiatrie-Enquete wurde 1975 auf die unwürdigen Zustände in den damaligen psychiatrischen Großkliniken reagiert. Die Verwahr-Psychiatrien, die die Menschen über Jahre oder Jahrzehnte hospitalisierten, wurden in deren Folge aufgelöst. Stattdessen wurden gemeindenahe Versorgungssysteme favorisiert, die sich nach und nach auch durchsetzten. Der ebenfalls einsetzende Abbau von Akutbetten in den psychiatrischen Großkrankenhäusern wurde hingegen möglich, weil viele Allgemeinkrankenhäuser psychiatrische Fachabteilungen oder Kliniken einrichteten. Damit wurde eine der wesentlichen Forderungen der Enquete, die Gleichstellung psychisch Erkrankter mit somatisch Kranken, erfüllt und ein erster Schritt zur Dezentralisierung und Regionalisierung der Versorgung getan. Dem Abbau von Betten in den damaligen Großkliniken um 50 Prozent steht heute jedoch der Anteil an Abteilungsbetten gegenüber, die neu geschaffen wurden: er beträgt inzwischen 40 Prozent. Das heißt, es hat im Wesentlichen eine Verschiebung der stationären Psychiatrie stattgefunden, kein tatsächliches Schrumpfen. |
Kommentar - 30.12.06Literaturtipszum Spannungsfeld Psychiatrie sucht bzw. solcher, die diesen Bereich stark berührt, wird hier fündig: |


