News - 31.10.07
von fauh5
Klinik zieht Daumenschrauben an
Konsolidierungsprozess im Klinikum Region Hannover galoppiert
Hannover, 31.10.2007: Einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ) zufolge plant die Geschäftsleitung der Klinikum Region Hannover GmbH zum Jahreswechsel die Auslagerung von Betriebsteilen, die nicht zum „Kerngeschäft“ gehören. 600 Beschäftigte seien davon betroffen, so die Zeitung in ihrer Montagsausgabe.
Tarifflucht und Flexibilisierung
Demnach sollen zum Jahresanfang 2008 die Bereiche Hauswirtschaft, Reinigung, Speise- und Textilversorgung ausgelagert und in einer eigenständigen Service GmbH zusammengefasst werden. Nach Angaben von Norbert Ohnesorg, Geschäftsführer für den Bereich Personal und Service, seien 600 Beschäftigte davon betroffen. Sie sollen künftig unternehmensweit eingesetzt werden.
Die neue Service GmbH erhält einen eigenen Tarifvertrag, der zwar allen Altbeschäftigten Bestandsschutz sichere. Alle nach dem 1.Januar 2008 Eingestellten würden jedoch schlechter gestellt. Die Geschäftsleitung will dazu Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di aufnehmen. Die Tarife sollen sich „am Markt orientieren“. Dumpinglöhne wolle das Klinikum jedoch nicht zahlen, so Ohnesorg gegenüber der HAZ.
Generalangriff Maßnahmepaket
Auch diese Maßnahme soll dazu dienen, das vom kommunalen Träger vorgegebene Ziel, bis 2009 einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, zu verwirklichen. Der Abschluss eines Haustarifvertrags, mit dem die Klinik 30 Millionen Euro einsparen würde, und der weitere massive Abbau von Stellen sind nur weitere Schritte auf diesem Weg. Kostenreduzierungen sollen zudem durch die Zusammenlegung einzelner Abteilungen wie Finanz- und Rechnungswesen, Personalabteilung, Einkauf und Logistik sowie der Labore und Apotheken erzielt werden. Schon jetzt werden alle zwölf Regionskrankenhäuser und externe Krankenhäuser nur noch von einer Apotheke beliefert, womit jährlich eine Millionen Euro eingespart würden. Als weiteres Beispiel wurde von Ohnesorg das Krankenhaus Springe genannt, das seit kurzem nicht mehr selbst koche , sondern vom Robert-Koch-Krankenhaus in Gehrden mit Essen beliefert werde.
Zielvorgaben
Schon im letzten Jahr konnte die Klinikum Region Hannover GmbH ihr vorgesehenes Defizit von 13,2 auf 12,4 Millionen Euro verringern. Hinzu kamen 2,4 Millionen Euro Rückstellungen für die von der Geschäftsleitung zurückbehaltenen Tariferhöhungen, die den Beschäftigten nicht ausgezahlt wurden. Der Gesamtumsatz betrug 415,5 Millionen Euro. Mit diesem Geschäftsergebnis lagen die zwölf Krankenhäuser in Hannover und der Region besser im Plan als vorgesehen, denn die Region hatte eigentlich ein Defizit von 13,8 Millionen vorgegeben. Das Geschäftsjahr 2007 will das Klinikum mit einem Defizit von 5,8 Millionen Euro und 2008 mit 2,5 Millionen Euro abschließen. 2009 soll das Defizit auf Null runter gefahren sein. Investitionen soll das Unternehmen zudem aus eigener Kraft erbringen.
Arbeitsverdichtung
Bereits bei der Vorstellung des Geschäftsberichts 2006 Mitte diesen Jahres hatte die Geschäftsleitung angekündigt, mit Hilfe „effizienterer Strukturen“ 2007 erneut 160 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Durch natürliche Fluktuation freiwerdende Stellen werden deshalb nicht mehr neu besetzt. Die Zahl der Beschäftigten war allein im letzten Jahr um 97 auf 7.452 geschrumpft. Eine Steigerung der Zahl der behandelten Patienten um mehr als 2.300 auf 116.342 im gleichen Zeitraum hatte demnach zur Folge, dass weniger Personal mehr PatientInnen versorgen musste. Die Auslastungsquote der 2.931 Krankenhausbetten konnte auf 82,5 Prozent (2005: 80,2 Prozent) gesteigert werden.
Nandor Pouget
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