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News - 05.08.09 von Info

Die Schlacht um Ssangyong Motor ist zu Ende

Am 6. August, dem 77. Tag der Besetzung des Werkes des fünfgrößten südkoreanischen Automobilherstellers, Ssangyong Motor in Pyongtaek, hat ein Großteil der streikenden Arbeiter das Werk verlassen. Vorausgegangen war einer der erbittersten Arbeitskämpfe, die es weltweit in den letzten Jahren gegeben hat. Bis zu 4.000 Polizisten und hunderte von angeheuerten Securities versuchten zuletzt über Tage hinweg, die besetzten Werksteile zu stürmen. Mehr als 1.000 Arbeiter, die sich in mehreren Gebäuden der Fabrik verbarrikadiert hatten, lieferten sich Gebäude um Gebäude eine erbitterte Auseinandersetzung mit den staatlichen und privaten Schlägern, die von der Firmenleitung angefordert worden waren. Auf Seiten der Belegschaft gibt es Dutzende von Verletzten, einige von ihnen schwer.

Die Vorgeschichte

2006 übernahm die chinesische Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) 51 Prozent der Anteile an Ssangyong Motor. Umgehend begann ein umfangreicher Abbau von Arbeitsplätzen. Anfang 2009 waren von einstmals 8.700 Arbeitern noch 7.179 übrig geblieben. Im Februar 2009 meldete das Unternehmen Insolvenz an und legte einen Umstrukturierungsplan vor, der den Abbau von weiteren 2.646 Arbeitspkätzen vorsah. Die meisten sollten über eine erzwungenen Vorruhestandsregelung realisiert werden, 250 Leiharbeiter wurden direkt entlassen. Ein Teil der Arbeiter nahm die Vorruhestandsregelung an. Ssangyong hat eine relativ alte und erfahrene Belegschaft, viele Leute arbeiten schon 15 Jahre und länger im Werk.

Zusätzlich zeichnet sich ab, das es der Shanghai Automotive Industry Corporation vermutlich hauptsächlich darum geht, für ihre chinesischen Werke Technologie zu erwerben. Seit der Übernahme durch SAIC hat es bei Ssangyong Motors keine Investitionen mehr gegeben, und kein neues Modell kam mehr auf den Markt.

Die Belegschaft wehrt sich

Als Reaktion auf die geplante und gerichtlich abgesegnete Entlassungswelle, traten mehr als 1.000 Arbeíter am 27. Mai in den Streik und besetzten wenig später die Fabrik. Im Kern handelte es sich um den Teil der Belegschaft, der nicht bereit war, sich über eine Vorruhestand aus der Fabrik drängen zu lassen. Die Forderungen der Arbeiter lauteten:

1. Keine Entlassungen
2. Arbeitsplatzsicherheit für alle
3. Keine Auslagerungen

Der Streik und die Besetzung dauerten seit Ende Mai an. Rund 1.000 Arbeiter hielten mehrere Gebäude versetzt und verbarrikadierten diese gegen mögliche Angriffe. Versorgt werden sie von mehreren hundert Familienangehörigen, die ein Camp errichtet haben. Ihnen gegenüber stehen rund 1.000 Streikbrecher aus der Verwaltung, incl. mehrerer hundert Securities, die von Ssangyong Motor als Streikbrecher angeheuert wurden. Seit Ende Mai ist kein einziges Fahrzeug mehr vom Band gelaufen. Gegen Versuche der Polizei, das Werk zu stürmen, hatten die Streikenden sich u.a. in der Lackiererei verschanzt und damit gedroht, diese anzuzünden und einen Großbrand zu verursachen.

Schwierige Bedingungen

Der Kampf bei Ssangyong findet vor schwierigen Bedingungen statt. Es gelingt den Arbeitern nur schwer oder gar nicht, KollegInnen aus anderen Fabriken zu mobilisieren. Ssangyong ist der kleinste der koreanischen Automobilkonzerne. Bei Hyundai und den anderen Werken ist die Situation ebenfalls sehr schwierig, so dass die Gewerkschaft KMWU fürchtet, dass es kaum effiziente Solidarisierungen geben wird.


Der Angriff am 4. August

Seit Mitte Juni haben Polizei und Streikbrecher in mehreren Etappen versucht, die Besetzung zu beenden und das Werk zu stürmen. Dabei gelang es den Arbeitern mehrfach die Angriffe von hunderten von Polizisten zurückzuschlagen. Allerdings nur um den Preis, dass sie mehrere strategisch wichtige Gebäude der Fabrik aufgeben mussten. Der bislang größte Angriff fand am 4. August 2009 statt. Nicht weniger als 2.500 Polizisten aus Aufstandsbekämpfungseinheiten versuchten, unter Einsatz mehrerer Hubschrauber, u.a. auf die Dächer der besetzten Gebäude zu gelangen. Diese waren von den Arbeiter jedoch zuvor mit Hubschrauber-Sperren verbarrikadiert worden. Bei den Kämpfen nahmen die Arbeiter einen Security fest, den sie mehrere Stunden verhörten. Dabei stellte sich heraus, dass die Firma rechtswidrig private Schläger angeheuert hat, die zusammen mit der Polizei die streikenden Arbeiter angreifen.

Der Angriff am 5. August

Am Vormittag des 5. August gelang es zwei Sondereinsatzkommandos der Polizei sich trotz der Abwehrmassnahmen gegen Hubschrauber auf das Dach der Lackiereri abzuseilen. Bei den Kämpfen auf dem Dach des Gebäudes stürzten zwei Arbeiter in die Tiefe und wurden verletzt. Im Gebäude der Lackiererei haben sich nach wie vor rund 500 Arbeiter verschanzt und leisten erbitterten Widerstand. Ein Verbindungsgebäude zur Lackierei brennt. Unter den Arbeitern soll es mindestens 50 Leute mit schwereren Verletzungen geben. Sie wollen jedoch nicht in ein Krankenhaus, nachdem die Polizei Verletzte, teilweise mit offenen Wunden, aus dem Anseong Hospital auf Polizeireviere verschleppt hat. Das Unterstützungs-Camp der Familien der Arbeiter, wurde von Schlägern der Firma gestürmt. Als sich eine Solidaritätsdemonstration von StudentInnen der Fabrik näherte, zog sich die Security zurück, damit die Polizei die Demonstration mit Tränengas angreifen konnte. Beim Sturm auf die Fabrik sind ganz neue Waffen zum Einsatz gekommen. So zeigte das koreanische Fernsehen eine Elektroschocker-Waffe der Polizei, die feine Nadeln mit Drähten verschießt, die sich in der Kleidung festsetzen und das Opfer unter Elektroschocks setzen.

Der 6. August

Nachdem absehbar war, dass der Sturm auf die Lackiererei nur noch eine Frage von Stunden ist, berieten sich die verbliebenen Besetzer mit der Gewerkschaft KMWU. Diese teilte mit, dass die Geschäftsleitung lediglich bereit sei, Job-Garantien für rund die Hälfte der Streikenden zu übernehmen. Angesichts der großen Zahl an Verletzten im Gebäude, entschieden sich die meisten Streikenden zur Annahme dieses Angebotes. Gegen 16.00 koreanischer Zeit verließen sie das monatelang besetzte und erbittert verteidigte Werk. Einige Dutzend Arbeiter wollen weiterkämpfen und befinden sich derzeit noch in der Lackiererei.

Materialien zu den Kämpfen:

Video 1, Video 2,Video 3, Video 4, Video 5

Weitere Infos

Es gibt eine englischsprachige Sonderseite auf libcom.org, die fast täglich über die Besetzung und deren Hintergründe informiert.

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