Syndikate - 03.05.07
von faub51
Gesundheitssyndikat in Gründung
Arbeitest Du im Gesundheitswesen oder in der Pflege / Betreuung oder bist arbeitslos in einem dieser Berufe und…
- Du stellst mehr und mehr fest, dass Du Deine Erwartungen und Vorstellungen immer weniger im Berufsalltag verwirklichen kannst?
- Die täglich an Deine Arbeit gestellten Anforderungen wachsen pausenlos?
- Dein Lohn dagegen stagniert oder Du musst immer mehr Einbussen hinnehmen?
- Du merkst, wie Du nach und nach ausbrennst?
- Du musst täglich miterleben, wie die von Dir betreuten oder gepflegten Klienten / Kunden / Bewohner mehr und mehr unter den Kürzungen im Gesundheitswesen zu leiden haben?
- Dein Chef fordert Gehorsam anstelle Dir verantwortungsvolles Arbeiten zu ermöglichen?
- Du bist enttäuscht und frustriert von den DGB-Gewerkschaften, deren Strukturen die Basis erdrücken und Dir keinen Rückhalt bieten?
- Du merkst, dass Du alleine irgendwann kaputt gehst und spielst mit dem Gedanken, alles hinzuschmeissen?
- Du suchst Leute, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder noch machen und die sich gegenseitig Mut und Unterstützung geben wollen?
Dann komm zum Stammtisch!
jeden 2.Donnerstag im Monat, ab 19Uhr im Cafe Walden, Choriner Str., Berlin-P´Berg - Nähe U-Senefelderplatz
Initiiert von der Sektion Gesundheit im Allgemeinen Syndikat der FAU Berlin.
Vorläufiger Entwurf einer Konzeption für ein Gesundheits-Syndikat der FAU Berlin.
Das Gesundheitssyndikat versteht sich als gewerkschaftliche Branchengruppe der freien Arbeiterinnen und Arbeiter Union Berlin für Berufstätige aus der Pflege bzw. dem Gesundheitswesen, die die permanente Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen und der Qualität ihrer Arbeit für die von ihnen betreuten Menschen und Patienten nicht länger tatenlos hinnehmen wollen.
Die Schere zwischen dem Anspruch der Pflegenden an die eigene Arbeit und der vom System aufgezwungenen Wirklichkeit klafft immer weiter auseinander. Vor diesem Hintergrund geht es uns darum, der kapitalistischen Verwertung sämtlicher Aspekte der Gesellschaft und des Gemeinwesens und damit der Vernichtung notwendiger Ressourcen für die Gesellschaft, auch gerade im Gesundheitswesen, entschieden entgegenzutreten und verlorenes Territorium für die gesellschaftliche Nutzung wiederzugewinnen. Hierfür suchen wir nach alternativen Konzepten und heute schon gangbaren neuen Wegen, die wir v.a. auch in selbstverwalteten Projekten finden.
Wir setzen uns für die Abschaffung oder zunächst zumindest die Eindämmung von Herrschaft jeglicher Art von Menschen über Menschen an unseren Arbeitstellen und in unseren Betrieben ein. Jedoch auch schon die Erkämpfung partieller Verbesserungen für Berufstätige und Betroffene in Pflege und Gesundheitswesen ist ein wichtiger Teilerfolg auf dem Weg zu herrschaftsfreien Wirtschafts- und Gesellschaftsformen. Solange wir noch unsere Arbeitskraft und unser Fachwissen zu Markte tragen müssen, kämpfen wir dafür, uns lieber etwas teuer zu verkaufen. Solange wir noch fremdbestimmt arbeiten müssen, kämpfen wir für angenehmere, weniger anstrengende Arbeitsbedingungen. Solange unsere Arbeitsbedingungen und die Qualität der von uns geleisteten Betreuung und Pflege nicht von uns selbst bestimmt werden können, kämpfen wir für eine bessere, menschenwürdige statt profitorientierte Qualität der von uns erbrachten Pflege und Betreuung.
Wir glauben nicht, dass die heutigen Missstände im Gesundheitswesen durch in welcher Form auch immer hierarchisch organisierte, auf dem Funktionärsprinzip basierende Gewerkschaften, Berufsverbände oder anderweitige hierarchische Strukturen beseitigt werden können oder dass wir den Kampf für unsere Anliegen in die Hände gewerkschaftlicher Funktionäre, politischer Parteien oder sonstiger Stellvertreter ablegen könnten. Stattdessen setzen wir auf gemeinsame, solidarische, direkte Aktionen, durch welche wir selbst Verbesserungen der Situation an unseren Arbeitsstellen und in unseren Betrieben erkämpfen. Dabei setzen wir auf das Prinzip der gegenseitigen Hilfe und unterstützen uns gegenseitig in den jeweiligen Arbeitskämpfen vor Ort.
Wir sind offen für alle, die sich mit uns im Sinne einer solchen durchgreifenden gesellschaftlichen Veränderung von unten für Verbesserungen der Berufstätigen und Betroffenen in Pflege und Gesundheitswesen einsetzen möchten.
Obwohl mit dieser unserer Vision einer herrschaftsfreien Gesellschaft ein Programm für die zu erstrebenden gesellschaftlichen Veränderungen umrissen ist, sind wir uns bewusst, dass alle politischen Konzepte, Analysen und Programme immer nur Momentaufnahmen der ständig sich wandelnden gesellschaftlichen Verhältnisse sind und dass es folglich zu keiner Zeit allgemeingültige Lösungen oder Programme geben kann. Im Gegenteil können die Lösungen für konkrete Probleme konkreter Gruppen von Menschen nur vor Ort im konkreten Fall und von den Betroffenen selbst erarbeitet werden.
Daher glauben wir nicht, dass wir den „richtigen Weg“ zur Lösung der derzeitigen Probleme im Gesundheitswesen oder auch nur das genaue Aussehen dieser „Lösung“ bereits wüssten. Es gibt immer viele Wege und viele Lösungen für vorherrschende Probleme. Deshalb sind wir offen für die Ideen vieler verschiedener Individuen. Durch die Vielschichtigkeit, die durch die freie und freiwillige Zusammenkunft vieler Betroffener entsteht, können viele verschiedene, kreative Lösungsansätze entstehen, um Probleme an vielen verschiedenen Orten zu lösen. Alles andere, jedes „Bescheid“- oder „Besserwissen“ über andere oder über Situationen, in denen sich Betroffene aktuell befinden, wäre bereits der Keim zu erneuten autoritären Strukturen, welche abzuschaffen unser Ziel und Programm ist. Eine libertäre Grundhaltung ist daher notwendige Voraussetzung jedes erfolgreichen gesellschaftlichen Kampfes.
Obwohl in der kapitalistischen Wirtschaftssteuerung und der damit verbundenen staatlichen Bevormundung der eigentlich „Wirtschaftenden“, der in den verschiedenen Betrieben arbeitenden Menschen, die Hauptproblematik für die derzeitige Misere u.a. des Gesundheitswesens liegt, suchen wir das zu bekämpfende Grundübel doch nicht allein in den äußerlichen Institutionen von Staat und Kapital. Denn solange eine Mehrheit der Menschen in der Gesellschaft weiterhin den eigenen Vorteil auf Kosten der anderen sucht, werden sich Herrschafts- und Unterdrückungsstrukturen immer wieder aufs Neue herausbilden. Darum üben wir bereits jetzt neue, herrschaftsfreie Umgangsformen miteinander ein und arbeiten ernsthaft an unserer eigenen Befreiung von allen Tendenzen, andere dominieren, lenken oder manipulieren zu wollen.
Vor diesem Hintergrund soll das Gesundheitssyndikat ein Forum sein, auf welchem wir einen emanzipierten, solidarischen und freien Umgang miteinander einüben. Wir wenden daher basisdemokratische, konsensorientierte und offene Entscheidungsstrukturen an, die einen gleichberechtigten Umgang aller mit allen sowie die Berücksichtigung jedes einzelnen mit seinen individuellen Fähigkeiten, Neigungen und Bedürfnissen ermöglichen.
Unsere Aktionsmethoden richten sich nach den von uns verfolgten Zielen:
Wir wollen in direkten Aktionen konkrete Verbesserungen in einzelnen Betrieben erkämpfen.
Wir wollen Betroffene und Berufstätige für die von uns erstrebten Verbesserungen in Pflege und Gesundheitswesen gewinnen und so vielen Menschen wie möglich Mut machen, sich zu solidarisieren und für Verbesserungen ihrer Situation aktiv zu werden. Auf plakative Aktionen, die bei den betroffenen Menschen eher zu Abkehr und Unverständnis führen, verzichten wir daher.
Wir suchen gemeinsam mit lokalen Gruppen Betroffener nach konstruktiven Lösungen für aktuelle Probleme auf lokaler betrieblicher Ebene. Vom praktischen Aufbau selbstbestimmter Arbeits- und Organisationsformen schon in unserer derzeitigen Gesellschaft versprechen wir uns mehr, als von destruktiven Aktionen. Eine wie auch immer geartete „Sozialpartnerschaft“ mit herrschenden und herrschaftsfördernden Strukturen und Institutionen kommt dabei für uns allerdings nicht in Frage.
Durch eine eigene Öffentlichkeitsarbeit möchten wir der Pflege eine Stimme geben und gegen verbreitete Vorurteile gegen Pflegende angehen. Wir wollen der Professionalität der in der Pflege Tätigen die verdiente gesellschaftliche Anerkennung und Geltung verleihen.
Politiker, Geschäftsleitungen, Kassenvertreter wollen wir über die von ihnen festgelegten und durchgeführten Praktiken zur Rede stellen.
Zu diesem Zweck bedienen wir uns kreativer, vielfältiger, selbstbewusster und kämpferischer direkter Aktionen, die geeignet sind, bei den betroffenen Gruppen in der Gesellschaft zu Solidarisierung miteinander und zur Selbstorganisation weiterer Betroffener beizutragen.
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