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News - 27.10.04 von faub22

Ausputz bei Putzmeister

Flugblatt gegen Putzmeister in Basdorf, das dort auf der Kundgebung und im Ort verteilt wurde.

Erklärung einiger Mitglieder der FAU-IAA, Lokalföderation Berlin, zu den Entlassungen bei Putzmeister Iberica S.A. Madrid.

Internationale Soldarität mit den Entlassenen der Putzmeister Iberica

Mitglieder der FAU-IAA Berlin protestierten heute vor der seit 1994 in Berlin bestehen
Repräsentanz der Putzmeister AG in Basdorf. Anlass war die Kündigung dreier Mitglieder unserer
spanischen Schwestergewerkschaft, der Confederacion Nacional del
Trabajo (CNT), weil sie es wagten, bei Putzmeister Iberica in Madrid eine Gewerkschaft,
also ein Syndikat, zu gründen. Ein vierter Angestellter wurde unter dem Vorwurf entlassen, öfters mit den drei Gewerkschaftern gesehen worden zu sein.

Zum Protest gegen dieses Vorgehen fand heute in Madrid eine Kundgebung vor der
dortigen Niederlassung des Putzmeister-Konzerns statt. Auch wir
protestierten heute vor der Basdorfer Niederlassung gegen das gewerkschaftsfeindliche
Vorgehen der Putzmeister Iberica S.A. . Wir erklärten uns solidarisch mit den
entlassenen ArbeiterInnen und fordern Putzmeister Iberica auf die
Kündigungen unverzüglich zurückzunehmen.

Wir sind Mitglieder der Freien ArbeiterInnen Union (FAU), eine selbstorganisierte,
basisdemokratische Gewerkschaft ohne Bosse und bezahlte
Funktionäre. Wir haben uns Anarcho-Syndikalistisch organisiert,
weil wir bei Almosen wie Lohnerhöhungen oder Verbesserungen der
Arbeitsbedingungen nicht stehenbleiben wollen, sondern für
eine Freie und selbstverwaltete Gesellschaft ohne
Hierarchien oder Bosse kämpfen.

Wir haben uns weltweit mit ebensolchen Gewerkschaftsföderationen, die anarchosyndikalistisch organisiert sind, in der Internationalen ArbeiterInnen Assoziation
zusammengeschlossen. Die CNT in Spanien ist ebenfalls Mitglied unserer
Internationalen.

Was genau ist passiert?
Ende August wurde die Gewerkschaftssektion der CNT bei
Putzmeister Ibérica ins Leben gerufen und am 17. 8. die
Firmenleitung darüber informiert, dass die CNT in ihrer Firma als
Gewerkschaft vertreten ist und einige gewerkschaftliche Rechte (wie z. B. Schwarzes Brett, Zugang zur Arbeitssicherheitskommission) einfordert. Dem kam die
Geschäftsleitung ja auch dann nach. Wenige Tage später wurde dem
CNT-Delegierten auf Betreiben der beiden im Betriebsrat
vertretenen reformistischen Gewerkschaften UGT und den
"Arbeiterkomissonen" CC.OO. die Teilnahme an der
Rechnungsprüfungskommission verweigert. Die CNT ist nicht im
Betriebsrat, denn sie lehnt im Gegensatz zu den meisten
Gewerkschaften, gemäß den anarchosyndikalistischen Prinzipien, die Teilnahme an den sozialpartnerschaftlichen Betriebsratswahlen kategorisch ab. Die CNT will nämlich die
Interessen ihrer bei Putzmeister arbeitenden Beschäftigten
gegenüber den Bossen verteidigen und nicht das Interesse der
Bosse gegenüber den ArbeiterInnen. Sie kämpft für
ArbeiterInnen-Selbstverwaltung der Betriebe und will nicht die Bosse dahingehend beraten, wie man die Arbeiter noch besser knechtet und den Profit des Kapitals der Firma noch weiter nach oben treibt.

Die CNT kann man nicht kaufen!
Wiederum einige Tage später versuchte eine Vertreterin der
Firmenleitung nach Berichten der CNT-Sektion, den Kollegen
Francisco, eines CNT-Mitgliedes mit einer Abfindung zur Kündigung zu
bewegen, "weil er so radikal sei" Man spende schließlich als
Firma ja viel Geld, auch an einige Nicht-Regierungs-Organisationen. Aber die "Anarchisten
seien ja schließlich gegen alles". Nachdem Francisco deutlich
gemacht hatte, dass er nicht bereit ist, sich kaufen zu lassen,
versuchte die Firmenleitung ihn in den nächsten Tagen von den
anderen ArbeiterInnen zu isolieren und ihm schwerere Arbeit
aufzutragen. Schließlich wurde er am 29. August gekündigt,
nachdem zuvor zwei weitere Mitglieder der CNT-Sektion bei
Putzmeister Ibérica gefeuert worden waren. Ein weiterer Arbeiter
erhielt ebenfalls eine Kündigung. Sein "Vergehen" bestand
offensichtlich darin, zuviel Kontakt zu den GenossInnen der CNT
gehabt zu haben. Francisco warf man in seinem Kündigungsschreiben vor, er
habe einen "gewalttätigen Charakter" und würde ein
"unkollegiales Verhalten" an den Tag legen.

Die Lokalföderation der CNT in Madrid hat die Zerschlagung ihrer
Gewerkschaftssektion bei Putzmeister aufs schärfste verurteilt
und fordert die sofortige Wiedereinstellung der entlassenen
Arbeiter. Im Oktober gab es bereits eine Reihe von Aktionen,
darunter eine Demonstration vor dem Putzmeister Werk in Vallecas. Am
Donnerstag, den 28. Oktober soll vor dem Arbeitsgericht die
Schlichtungsverhandlung zwischen der Firma und den GenossInnen
stattfinden. Dies ist ein Anlass das heute in Madrid eine weitere
Demonstration vor dem Sitz von Putzmeister Ibérica stattfindet.

Unsere Forderungen:
Sofortige Wiedereinstellung der Entlassenen CNT-GenossInnen bei Putzmeister!
Das Gewerkschaftsfeindliche Verhalten von Putzmeister muss Geächtet werden!
Organisierung der Unorganisierten ArbeiterInnen und Angestellten bei Putzmeister!
Die Betriebe in ArbeiterInnenselbstverwaltung!

(Das Flugblatt ist in die Vergangenheitsform gebeugt worden weil die entgültige Veröffentlichung auf der Website nach der Aktion stattfand also wurde z.B. aus: "Wir protestieren hier heute..." zu "Wir protestierten hier heute)

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