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Zweites Kommunique der Chiapas Kaffee-Kampagne, Februar 1999
DIE SPITZE DES EISBERGES...
EINE BITTE VORAB:
Wir wissen, daß unsere Recherche Grundlage für eine große Anzahl an Veröffentlichungen, Internet-Seiten, Anfragen etc. in verschiedenen Ländern geworden ist. Wir können diese nicht alle nachvollziehen. Wir bitten deshalb alle Interessierten darum, uns Hinweise oder Duplikate aller Materialien an unsere o.g. Adresse zukommen zu lassen. Weiterhin wissen wir, daß uns mittlerweile andere Gruppen unterstützen, unsere Recherche verbreiten oder selbst weiterrecherchieren. Auch an diese die Bitte, sich mit uns in Verbindung zu setzen
Wir danken allen, die Kontakt zu uns aufgenommen haben. Dabei wurde teilweise auch Kritik laut, auf die wir jetzt eingehen moechten.
- Die Richtigkeit unser Informationen zum Komplex UDEPOM / SOCAMA / PAZ Y JUSTICIA ist von zahlreichen Quellen bestaetigt worden.
- Uns wurde vorgeworfen, wir wuerden das System des gerechten Handels schaedigen. Dies ist weder unsere Absicht, noch sind wir der Meinung dies zu tun. Wir haben in unseren Veroeffentlichungen zum Ausdruck gebracht, dass wir fairen Handel grundsaetzlich unterstuetzen und dass es uns einzig darum geht, Missbrauch zu bekaempfen und bekraeftigen dies hiermit noch einmal. Wir sind der Meinung, dass die Idee des fairen Handels dadurch Schaden nimmt, dass die staatliche Unterdrueckung von ihr profitiert und nicht dadurch, dass dieser Skandal aufgedeckt wird.
Wir halten es fuer kein akzeptables Gegenargument, UDEPOM sei nur EINE von 41 mexikanischen Kaffeekooperativen mit dem Siegel der FLO (so der TransFair Canada-General Secretary). Kontrolle, die die FLO behauptet durchzufuehren, haette verhindern muessen, dass auch nur eine einzige mit Paramilitaers in politisch-organisatorischer Verbindung stehende Kooperative in den Genuss des Siegels kommt.
Auch die GEPA hat uns angegriffen und die faktische Korrektheit Unserer Untersuchung rundweg abgestritten, obwohl diese mittlerweile u.a. vom Geschaeftsfuehrer von TransFair Canada bestaetigt wurde.
Wir sehen es in diesem Zusammenhang als aeusserst bedrohliche Tendenz an, dass es einigen Institutionen im System des fairen Handels offensichtlich wichtiger ist, die Vorgaenge zu relativieren, als Konsequenzen aus unserer Untersuchung zu ziehen, deren faktische Korrektheit sie bestaetigen. Wir koennen nur vermuten, dass dies aus der Angst heraus geschieht, die Offenlegung der beschriebenen Verflechtungen bei EINEM Vertragspartner wuerde das Ansehen des gesamten Projektes schaedigen. Wir halten das fuer eine gefaehrliche Entwicklung. Der Versuch einer Relativierung oder der Negierung wird letztendlich genau zu dem fuehren, was damit verhindert werden soll: das Ansehen des fairen Handels wird Schaden nehmen. Und zwar nicht deswegen, weil wir belegt haben, dass es in EINEM konkreten Fall offensichtliche Maengel bei der Kontrolle gegeben hat, sondern deswegen, weil versucht wird, diesen Umstand zu vertuschen und dadurch die Glaubwuerdigkeit der FLO und der Kooperativen diskreditiert wird. Wir fordern die Institutionen des fairen Handels deshalb erneut auf, Konsequenzen zu ziehen und wieder zu einer transparenten Oeffentlichkeitsarbeit zurueckzukehren. Das ist es, was wir und mit uns viele KonsumentInnen weltweit erwarten, um die Glaubwuerdigkeit des Systems des fairen Handels wiederherzustellen.
- Wir haben uns ueber die mangelnde Transparenz von TRANSFAIR beklagt und halten diesen Vorwurf aufrecht. Anfragen bei TRANSFAIR/FLO International und NATURLAND vor Beginn der Kampagne verliefen ergebnislos ("Warum wollen Sie gerade das wissen? Wir geben keine Auskuenfte ueber unsere Handelspartner."). Erst die Veroeffentlichung unserer Vorwuerfe brachte TRANSFAIR dazu, sehr widerspruechlich und ausweichend zu reagieren.
- Wir haben unsere Befuerchtung geaeussert, dass der von uns aufgedeckte Fall der UDEPOM kein Einzelfall sei. Vielmehr koennten auch andere von SOCAMA-Leuten oder von Mitgliedern anderer paramilitaerischer Gruppen geleitete Kooperativen vom FLO-Siegel profitieren. Dies hat uns den Vorwurf der Schaedigung des fairen Handels eingetragen. Wie bereits erwaehnt, ist dies nicht unsere Absicht. Wir haben in unserer Veroeffentlichung dargelegt, dass es eine Fuegung gluecklicher Umstaende war, dass wir UDEPOM entlarven konnten. Die Besorgnis zu aeussern, dass moeglicherweise auch andere Kooperativen mit Verbindungen zu paramilitaerischen Gruppen vom FLO-Siegel profitieren, ist keine Verleumdung, sondern ein notwendiger Schritt, um die FLO zu zwingen die Transparenz zu gewaehrleisten, die sie sich auf ihre Fahnen geschrieben hat. Wir koennen nicht saemtliche mexikanische Partner der FLO ueberpruefen, aber die FLO kann es; schliesslich ist dies ihre Existenzberechtigung! Diese Pruefungen sollten generell kontinuierlich und konsequent durchgefuehrt werden.
- Wir haben juengst die inoffizielle Mitteilung erhalten, die CNOC habe SOCAMA bereits vor betraechtlicher Zeit ausgeschlossen und TRANSFAIR davon informiert. Wieso erfolgte hierauf keine Reaktion?
- Uns wurde vorgeworfen, wir wuerden nicht zwischen regimeloyalen Organisationen und solchen, die mit Paramilitaers liiert sind, unterscheiden. Wir beschuldigen nicht jede Kooperative, die staatliche Gelder erhaelt, der Mitwirkung an der Repression. Wir unterstuetzen vielmehr die Forderung demokratischer Kaffeekooperativen nach Vergabe von staatlicher Hilfe ohne Vorbedingungen. Wir haben allerdings festgestellt, dass insbesondere in einer Buergerkriegssituation, wie der in Chiapas, staatliche Hilfen an klare Bedingungen geknuepft sind. Diese beinhalten die Unterstuetzung der Regierung, wenn auch nicht unbedingt militaerisch, oder zumindest das voellige Heraushalten aus politischen Konflikten. Wir halten es deswegen fuer sinnvoll, von Seiten TRANSFAIRs und internationaler Stiftungen solche Kooperativen zu foerdern, die keine staatliche Unterstuetzung erhalten. Dies nicht nur deswegen, um die vorhandenen Mittel gerecht zu verteilen, sondern auch um die unabhaengige politische Handlungsfaehigkeit demokratischer Kooperativen zu gewaehrleisten.
- Wir haben die Problematik internationaler Geldgeber angesprochen und unsere Befuerchtung geaeussert, dass ein Teil dieser Gelder bei mit Paramilitaers liierten Gruppen enden koennte. Dies fuehrte zu Anfragen, welche konkreten Hinweise wir denn dafuer haetten. Wir mussten feststellen, dass wir uns unklar oder falsch ausgedrueckt hatten. Wir haben keinerlei Beweis fuer einen konkreten Vorgang und erheben deshalb auch keinerlei Anschuldigung. Wir moechten vielmehr alle Gruppen und Einzelpersonen bitten, die ueber diesbezuegliche Informationen verfuegen oder sie beschaffen koennen, diese zu veroeffentlichen. Es muss geklaert werden, wohin die Gelder der Stiftungen fliessen.
- Dass PRONASOL vor allem in Chiapas ein Programm zur Finanzierung der Aufstandsbekaempfung - sei sie militaerisch oder oekonomisch - ist und mit Weltbank-Geldern finanziert wird, ist inzwischen ausfuehrlich dokumentiert.
- Wir bedanken uns herzlich bei CIACH und Nuevo Amanecer Press fuer die Unterstuetzung unserer Kampagne. Wir wuerden uns freuen, wenn weitere mexikanische Nichtregierungsorganisationen Stellung bezoegen, auch dann, wenn sie Kritik an unserem Vorgehen anzubringen haetten.
- Bei den chiapanekischen Wahlen vom 4. Oktober und den Nachwahlen am 6. Dezember 1998 gab es folgende Ergebnisse:
Der "Paz y Justicia"-General Samuel Sánchez Sánchez ist nicht mehr Abgeordneter im Staatskongress; er ist jetzt Stadtrat von Sabanilla, Nachbarort von Tila, wo er ja noch Schuldirektor ist.
Den Bezirk Chamula XXII gewann die PRI mit 90,5% der abgegebenen gueltigen Stimmen. Gewaehlt wurde Martin Gómez Sánchez und sein Ersatzmann ("suplente") ist Silviano Hernández Gómez! Dieser Bruder von Manuel Hernández Gómez war im April 98 öffentlich als Waffenschieber fuer die Paramilitaers bezichtigt worden. Eine weitere Variante der Straflosigkeit, parlamentarische Immunitaet zu suchen.
...ODER EINE FATA MORGANA - DIE SOCAMA
Wir haben mittlerweile weitere Projekte der SOCAMA entdeckt, die mit Regierungsgeldern und sicherlich auch anderweitiger internationaler Unterstuetzung unterstuetzt/finanziert werden.
1989 privatisierte die Patrocinio Gonzáles Garrido-Regierung u.a. die staatliche Forstindustrie - an die SOCAMA: "Socama tiene apoyos econ¢micos en proyectos de agroforestales, invernadores, cultivos de cacahuate y marañón, asi como una fábrica de muebles y explotación pesquera. El gobierno del estado le entregó gran parte de los viveros de tres regiones y le vendió a bajo precio la Corporación y Fomento de Chiapas (Corfo). Además, ha recibido estímulos de varios programas para la compra de insumos agrícolas y hasta hoy recibe fuertes apoyos anuales para la cafeticultura." (Juan Balboa, La Jornada, 17.12.1997) Carbon Sequestration in Chiapas - Seeking investment: 400.000 Hektar sind dabei betroffen - in 43 der 111 Landkreise von Chiapas. SOCAMA "requieres $160 per hectare to implement its forest plan." Das sind 4.000 Quadratkilometer - 5,4% der gesamten Flaeche der Republik Chiapas! Sollte die SOCAMA diese riesige Flaeche vermarkten koennen entspraeche das einem Umsatz von 64 Mio. US$ bzw.108 Mio. DM! http://www.ji.org/projects/mexico.shtml
Folgende Firmen und Organisationen konnten wir bisher eindeutig der SOCAMA zuordnen:
- Organización Campesina Ureapan, Jitotol y Pueblo Nuevo (secuestro de carbono con EcoSur)
- SOCAMA Centro Fraylesca, A.C. - Tuxtla Gutierrez, Chiapas (3)
- SOCAMA, A.C. - Tuxtla Gutierrez, Chiapas, Presidente: Jacobo Nazar Morales (Café, CNOC) (3)
- SA de CV "Solidaridad Campesina Empresarial" - SOCAEM, Tuxtla Gutierrez, Presidente: Jose Nazar Morales (Forestal) (3)
- S.S.S. Productores Unidos SOCAMA, A.C., Jiquipilas (Agroindustrial, Alimentarias) (3)
- Solidaridad Campesina Mageristerial (SOCAMA), Presidente: Prof. Jacobo Nazar Morales, Catazaja (Planeación) (3)
- Jacobo Nazar Morales (SOCAMA), (Forestal, Viveros Forestales) (3)
- SOCAMIEL - Sociedad Cooperativa Socamiel, Cintalapa (4)
- FIDAR, S.C. - constituyen SOCAMA, COPDCH, INSA (4)
- Fondo Regional Unión de Ejidos Profesor Otilio Montano ("Acuerdo Social para el Bienestar y el Desarrollo de la Regi¢n Sierra de Chiapas 1997-2000, 29.4.1997, El Porvenir"; finanziert ueber die COPLADEM) http://www.sedesol.gob.mx/ACUERDO/SIERRACH.HTM
- UDEPOM ("El Banco de Mxico o FIRA, est trabajando con nosotros muy de cerca", Entrevista de Mantecon)
Die SOCAMA ist u.a. in folgenden Orten in Chiapas präsent:
- Centro: Chiapilla, Totolapa, Villacorzo, San Fernando, Copainlá, Ocozocautla, Jiquipilas, Cintalapa, Chiapa de Corzo, Coita
- Sierra: Motozintla, El Porvenir, La Grandeza Frontera: Comitán, La Trinitaria, Frontera Comalapa
- Altos: San Cristobal
- Costa grande: Huixtla, Tuzantán, Villa Comaltitlán, Acacoyagna
- Norte: Tila, Salto de Agua
- Costa chica: Arriaga, Tonala, Villaflores (1)
Ihre Aktivitäten: flores, criar ganada, cultivar café, fábricas de construcción de muebles, hongos, hortalizas, programas de reforestación (MHG: "reforestación de 100 mil hectáres en 10 anos"), industrializar la madera, maranón, papas, cacahuate, alfalfa ... (1)
Die SOCAMA alleine verfuegt ueber einen Anteil von 12 Prozent der bis 1998 mit Geldern aus staatlichen Treuhandprogrammen erworbenen Landflächen, nämlich rund 28.000 Hektar im Wert von rund 80 Millionen Pesos.(2)
Keinen Peso, Dollar oder Euro fuer Paramilitaers!
Chiapas Kaffee-Kampagne, 24.2.1999
Quellen:
1. Entrevista Manuel Hernández Gómez, La Republica de Chiapas, 22.7.96: "Proyecto de Desarrollo Rural Integral e Inclyente" de SOCAMA
2. http://sic.chiapas.com/ftahtml/informe/total1.html
3. Informationen zu den Firmen aus dem FONAES-Register: http://db.fonaes.gob.mx/detalle_1.asp?folio=dgc:1615 (unter anderem)
4. SOCAMA: "Nuestra propuesta de desarrollo rural integral incluyente", Marzo 1998
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