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Die Direkte Aktion - Ausgabe 188 | Juli & August 2008 ist erschienen.
Die neue Ausgabe des anarchosyndikalistischen Fachblattes für Klassenkampf, Streik, Kultur und Kreuzworträtsel gibt es jetzt im gut sortierten Fachhandel und natürlich per Postwurfsendung (Abonnement). Einen Überblick, was dich mit der neuen Ausgabe erwartet findest du hier.

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DA - 05.03.05 von Panagoulis

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Interview mit der Gruppe noservice zu Ein-Euro-Job-Spaziergänge

Ihr macht seit vier Monaten in Berlin so genannte Spaziergänge gegen Ein-Euro-Jobs. Worum geht es dabei?

Für uns ist der Bereich der Ein-Euro-Jobs deshalb so interessant, da zum einen etliche Leute gegen ihren Willen in diese Jobs gezwungen werden können, zum anderen betrifft Hartz IV ganz unterschiedliche Leute: arbeitslose IT-Fachkräfte oder AkademikerInnen genauso wie ehemalige SozialhilfeempfängerInnen und Langzeitarbeitslose, die nebenbei schwarz malochen. Mit den Ein-Euro-Jobs entstehen neue Orte, an denen diese Leute zusammentreffen und sich kontinuierlich sehen. Die Spaziergänge sind ein Mittel, uns diesen Bereich genauer anzuschauen und direkt mit den Leuten zu reden. Warum machen Leute diese Jobs, wie ist die Stimmung, wo gibt es Widersprüche und Brüche, an denen sich möglicherweise Kämpfe entwickeln. Die Ein-Euro-Jobs sind zwar der Focus, wir erfahren aber darüber hinaus vieles über die Ausbeutungsbedingungen an sich. Genauso wichtig ist es uns, mit Festangestellten oder ABMlerInnen zu reden. Da wir die gesammelten Informationen zwischen den Einsatzorten zirkulieren lassen und weitergeben, bekommen die JobberInnen voneinander mit. Die Isolation wird aufgebrochen. Mit unserem Flugblatt geben wir auch Diskussionsstoff rein. Interessant wird es, wenn es Ansätze gibt, dass Leute sich individuell oder kollektiv wehren. In solchen Fällen versuchen wir mit ihnen konkret über die Möglichkeiten von Streik oder anderen Verweigerungsformen zu diskutieren.


Wie reagieren die Ein-Euro-JobberInnen, die Ihr antrefft?

Man muss sich das so vorstellen: Du hockst da alleine oder mit deinen KollegInnen Tag für Tag und dann kommt plötzlich unangekündigt ein Trupp von zehn, fünfzehn Leuten und will mit dir über deine Arbeitsbedingungen reden. Das ist für die meisten eine willkommene Abwechslung. Wir stoßen fast immer auf Offenheit und Interesse, viele erzählen uns, dass sie untereinander viel über die derzeitige Situation diskutieren und unzufrieden sind. Anfangs sind wir auf Ein-Euro-JobberInnen gestoßen, die die Maßnahme mehr oder weniger »freiwillig« machen, inzwischen treffen wir vermehrt auf Leute, die keinen Bock darauf haben und/oder über ihre Arbeitsbedingungen abkotzen. Einige von ihnen sehen sehr klar, was mit ihnen da gemacht wird, dass man sie ausbeutet oder sie »kontrolliert arbeitslos« gehalten werden, damit sie z.B. nicht nebenbei schwarz arbeiten können.


Und wie reagieren deren Vorgesetzte?

Die haben es nicht so gerne, dass wir auf dem Gelände rumlaufen und die Leute vom arbeiten abhalten. Oft begründen sie das mit möglichen Unfällen in den Werkstätten etc. Aber unser Konzept ist das der kleinen Grenzüberschreitungen: wir kommen unangemeldet, fragen nicht um Erlaubnis und lassen uns nicht abwimmeln oder auf einen anderen Termin vertrösten. Auf einem unserer ersten Spaziergänge wurde uns auch schon mit den Bullen gedroht. In solchen Situationen gehen wir dann. Es gab wiederum Situationen, in denen klar war, dass die Vorgesetzten nichts machen können. Solange etwa achtzig Leute mit uns reden wollen, hat der Chef gegen uns einfach keine Handhabe. Gegebenenfalls versuchen wir, die Vorgesetzten in Gespräche zu verwickeln, um Informationen zu bekommen, sie abzulenken, aber ihnen auch offen unsere Kritik an den Ein-Euro-Jobs deutlich zu machen.


Wie ist aufgrund Eurer Erfahrungen Eure Einschätzung zu den Ein-Euro-Jobs?

Viele Leute machen die Jobs, weil sie keine Alternative haben. Der Zwang fängt schon damit an, dass das ALG II alleine nicht ausreicht zum Leben. Mit anderen verfügbaren Jobs (in Berlin) verdient man oft genauso viel oder weniger als mit einem Ein-Euro-Job. Manchmal sind die Arbeitsbedingungen dort noch schlechter. Die Forderung »Weg mit den Ein-Euro-Jobs« ist daher zu einseitig. Arbeit und Ausbeutung müssen im Zusammenhang thematisiert werden. Die Leute selbst merken, dass sie z.T. verarscht werden: die Zusätzlichkeit der Arbeit ist oft nur eine Formulierung auf dem Papier, reguläre Stellen werden weiter angebaut, fast niemand der Ein-Euro-JobberInnen hat Aussicht, in den ersten Arbeitsmarkt übernommen zu werden, Qualifizierungen gibt es kaum, obwohl die Träger dafür Geld erhalten, Ein-Euro-Jobs als Disziplinierungsmaßnahme von Arbeitslosen... – offen bleibt für uns, ob aus der Unzufriedenheit und ablehnenden Haltung tatsächlich Widerstand entsteht.


Was würdet Ihr anderen Gruppen empfehlen, die ebenfalls derartige Spaziergänge organisieren wollen? Worauf muss man achten?

Wenn sich die Spaziergänge ausweiten könnten, würde richtig was in Bewegung kommen. Die Träger und Einsatzorte findet man durch rumfragen, über's Internet oder indem man einfach mal in eine Schule oder Kita reingeht und dort die Leute anspricht. Wichtig ist, dass man wirklich mit den Leuten redet, von ihnen was erfahren will und mit ihnen diskutiert. Das erfordert anfangs vielleicht etwas Überwindung. Nicht alle Orte oder Gespräche sind interessant und man sollte sich auch nicht von Vorgesetzten o.ä. einschüchtern lassen. Wichtig ist, dass die Informationen immer wieder zirkulieren. Die Berichte schreiben wir grundsätzlich anonymisiert, um niemanden der dort Arbeitenden zu gefährden.


Wann und wo finden in Berlin die nächsten Spaziergänge statt?

Wir treffen uns jeden zweiten Dienstags, immer um 11 Uhr (pünktlich) vor dem A6-Laden in der Adalbertstraße 6 (U-Bhf Kottbusser Tor). Los geht's wieder am 3. Mai, am 17. Mai und am 31. Mai.


Die Spaziergänger sind über die Email-Adresse eineurojob@gmx.net zu erreichen. Ihr Flugblatt und die Berichte von den Spaziergängen findet ihr u.a. unter www.labournet.de