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Die Direkte Aktion - Ausgabe 190 | November & Dezember 2008 ist erschienen.
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News - 08.01.05

Ska for AnarchoCommunism

Ein Interview mit der fransözischen Band Ya Basta!

Seit einiger Zeit zieht das Ya-Basta-Phänomen Kreise. Kaum ein französisches Fanzine, dass sich nicht in schmeichelhafter Weise auf sie bezieht. Sie werden für ihre bemerkenswerte Bühnenpräsenz und ihr militantes Engagement gelobt. Jetzt wollen wir sie auch im deutschsprachigen Raum, passend zum neuen Album, etwas bekannter machen. Die Pariser Band gab vor einiger Zeit dem französischen RASH Magazin „Barricata“ dieses Interview:

Beginnen wir mit etwas ganz Klassischem: Seit wann existiert die Gruppe, wie seid ihr euch begegnet, wie hat sich die Zusammensetzung der Band verändert, was habt ihr veröffentlicht?

1993 spielten wir in einer Punkband mit Ska-Einflüssen, die „Chiapas“ hieß. Aus dieser Formation ist 1996 „Ya Basta“ entstanden (derselbe Gitarrist, derselbe Sänger, derselbe Schlagzeuger, der dann Sänger wurde). Der Sound hat sich mehr und mehr in Richtung Ska entwickelt und 1999 ist ein Bläserset mit Saxophon und Posaune zur Gruppe gestoßen. 2002 erschien „Lucha y fiesta“ und 2004 „Toujours Debout“

Was sind eure musikalischen Einflüsse und Vorlieben?

Die Musikgeschmäcker jedes Gruppenmitglieds sind sehr vielfältig: Rap, Oi, Hardcore, Rocksteady, Ska, Chansons. Deshalb tun wir uns auch schwer, unseren Stil zu definieren. Wir nennen es militanten Rock’n’Ska.

Ya Basta ist eine engagierte Gruppe. Man findet euch auf allen Soli-Konzerten, in allen besetzten Häusern in Paris. Was sind eure Grundüberzeugungen? Was bringt euch dazu, das alles zu machen? Glaubt ihr, dass Lucha y fiesta (Kampf und Fest), nach einem eurer bekanntesten Stücke, untrennbar sind?

Wir fühlen uns den Strömungen der extremen Linken zugehörig. Einige von uns sind oder waren bei der CNT oder bei Scalp/RASH aktiv. Die Solikonzerte sind für uns eine Weise, die antikapitalistischen und antifaschistischen Werte musikalisch zu unterstützen. Was wir bei solchen Konzerten mögen, ist, ein engagiertes Publikum vorzufinden, das nicht nur Feiern im Kopf hat.

Lucha y Fiesta ist ein Titel, der unserer Vorstellung des zapatistischen Kampfes entspricht. Diese Art des Kampfes sagt uns zu, aber leider haben nicht alle Kämpfe Festcharakter und müssen trotzdem unterstützt werden.

Was haltet ihr von der explosionsartigen Ausbreitung der Ska-Szene in den letzten Jahren?

Wir sind da gespalten: auf der einen Seite ist es angenehm, dass Ska bekannter geworden ist, aber die Szene scheint mehr auf Feiern aus zu sein und ist nicht politisch genug.

In euren Texten kommt öfter der zapatistische Aufstand vor. Was verbindet ihr damit?

Die Anfänge von Ya Basta sind mit dem Zapatista-Konflikt von 1994 verbunden. Für uns gab diese Bewegung der linksradikalen Szene Auftrieb in einer Welt des triumphierenden Neoliberalismus. Die Zapatisten waren ein Symbol, das uns stark geprägt hat.

Neben „Rude Boy“ ist „Barcelona“ eines unserer Lieblingsstücke. Warum diese Hommage an die libertären Kämpfer von 1936? Was haltet ihr davon, dass Papst Paul II kürzlich einige Dutzend Priester, die von den Republikanern ermordet wurden, selig gesprochen hat?

Wir stehen der libertären und anarchosyndikalistischen Bewegung nahe. Barcelona 36 bleibt also ein historischer Bezugspunkt. Es war die Hoffnung auf eine andere Gesellschaft und ein Beispiel für radikalen Antifaschismus.
Diese Zeit war auch aufschlussriech für die Haltung der Sozialdemokratie, die die wahren Kämpfe lieber zugunsten des Franco-Regimes ignoriert hat.
Ansonsten: Schade, dass nicht noch mehr Priester draufgegangen sind!

„Peuplé armé, peuple libéré (Volk in Waffen, befreites Volk), „Cocktail Molotov“, es fehlt nicht an Bezügen auf eine bestimmte Art von direkter Aktion. Was denkt ihr über revolutionäre Gewalt?

Molotow-Cocktail ist ein ironischer Verweis auf dieses alte Anarcho-Werkzeug. Gewalt ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel. Leider lassen uns die bürgerlichen Staaten keine andere Wahl. Sie üben ständig und alltäglich Gewalt aus. Ihnen gegenüber sind andere Kampfformen aussichtslos. Revolutionen werden aber nicht nur mit Waffengewalt gewonnen, sie kommen auch in einem Bewusstseinswandel zum Ausdruck.

„Système scolaire“ (Schulsystem) prangert autoritäre Erziehungsmethoden und die soziale Reproduktion im Sinne von Bourdieu an [französischer Soziologe, der immer wieder auf die Funktion des Bildungswesens hingewiesen hat, soziale Hierarchien zu reproduzieren]. Warum dieses Stück? Was habt ihr selber mit Schule zu tun? Welche Alternativen für eine egalitäre und libertäre Erziehung gibt es?

Dieses Stück ist geschrieben worden, um an die Rolle der Schule im Staat zu erinnern: Gute Bürger zu erzeugen, die bereit sind, auf den Schlachtfeldern zu sterben. Wie du so richtig sagst, ist die Schule von heute der Motor der sozialen Reproduktion. Unseres Wissens hat keine soziale Schicht über die Schule einen gesellschaftlichen Aufstieg geschafft. Einige von uns beteiligen sich an der Entwicklung nicht-autoritärer und gewaltloser Erziehungsmethoden. Ein Mitglied ist sogar so weit gegangen, Lehrer zu werden... eine Jugendsünde! Es gibt zahlreiche Alternativen, die die gängigen Dogmen vermeiden. Das Kind darf nicht als Objekt seiner Erziehung betrachtet werden, sondern als Handelnder im vollen Sinne des Wortes. Wie gesagt, die Alternativen sind zahlreich und sollten mit den Erziehungssektionen der CNT diskutiert werden.

Was ist eure Meinung über die Red-skins?

Für uns ist es eher eine Red- und Blackskin Bewegung. Wir schätzen die undogmatischen und antiautoritäten Bewegungen. Du sprachst gerade über das Stück „Barcelona“, der Text ist eine klare Absage an die Stalinisten. Auch unser Titel „Un vent glacial“ (Ein eisiger Wind) verurteilt autoritäre Auswüchse und Diktaturen aller Art. Wenn die Redskins sich davon distanzieren, umso besser. Wenn nicht, sollen sie besser in die KP eintreten.

„Camilla“ prangert die Abschiebungen von „Ausländern“ durch die sozialistische Polizei an. Mehr als 60% der Franzosen bezeichnen sich als „eher rassistisch“. Findet ihr das nicht zum Kotzen?

Wir machen uns keine Illusionen über die Haltung der Franzosen. Pétain wurde von einer linken Parlamentsmehrheit namens „Volksfront“ gewählt. Der Algerienkrieg wurde unter einer Regierung der politischen Mitte entschieden... Die Franzosen haben sich immer viel eingebildet auf ihre glorreichen Résistance-Tage, aber vergessen gerne ihre lange reaktionäre Tradition. Es steht bloß zu hoffen, dass noch viele Camillas diese antiquierte gallische Kultur bereichern.