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Entlassungen bei VW in Poznań-Antoninek

Internationales - 20.08.2017 von IS

Vor zwei Wochen rief die polnische Basisgewerkschaft „Arbeiter Initiative“ (Inicjatywa Pracownicza, IP) im Volkswagen Werk (VW) in Poznań-Antoninek eine Betriebsgruppe ins Leben. In der Folge wurden drei Arbeiter durch den Konzern gekündigt, allem Anschein nach, weil sie gewerkschaftlich aktiv waren. Dies wurde als ein Versuch der Einschüchterung verstanden, gegenüber all denjenigen, die sich an ihrem Arbeitsplatz gegen Ausbeutung wehren möchten. Erreicht wurde jedoch das Gegenteil – als Antwort auf die Entlassungen haben VW-Beschäftigter eine betriebsübergreifende IP-Betriebsgruppe gegründet, die die gewerkschaftlichen Aktivitäten nun fortsetzt.

Für bessere Arbeitsbedingungen
Die Arbeit bei VW ist hart und eintönig. Die Arbeiter*innen beklagen erzwungene Überstunden, mit einjähriger Verspätung ausgezahlte Überstundenzuschläge, viel zu niedrige Löhne und prekäre Leiharbeitsverträge, die jahrelang verlängert werden. Vor kurzem wurde im Werk eine 2. Samstagsschicht eingeführt (die 17. Schicht der Woche, werktags gibt es je 3 Schichten), und eine weitere (18.) Schicht, von Samstag auf Sonntag, ist geplant. Die bislang im Betrieb präsente Gewerkschaft Solidarność hat allen diesen Änderungen zugestimmt, was zu Empörung innerhalb der Belegschaft führte. Diejenigen Arbeiter, die sich kritisch äußersten, wurden nun gefeuert.

Begründet wurden die Entlassungen damit, dass sie bei Facebook geschrieben hätten, dass man sich angesichts der immer schlechteren Arbeitsbedingungen organisieren müsse. Offiziell betrachtet VW das als üble Nachrede gegen den Konzern. In Wirklichkeit ging es darum, zu verhindern, dass im Betrieb eine Organisation entsteht, die tatsächlich die Interessen der Belegschaft vertritt. Bis lang hatte die Gewerkschaft NSZZ Solidarność eine Monopolstellung inne.

Monopolstellung der Solidarność Gewerkschaft beenden
Die Entlassung der drei Arbeiter ist nichts anderes als eine Repression für den Versuch sich zu organisieren, um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen aller Beschäftigten im Betrieb zu erkämpfen. Angeblich kämpft die Solidarność gegen Sonntagsarbeit (z.B. im Einzelhandel), aber das Diktat von VW hat sie ohne nennenswerten Widerstand akzeptiert und der Nachtschicht von Samstag auf Sonntag zugestimmt. Am Donnerstag den 10.08.2017 führte die IP in Poznań-Wilda eine Pressekonferenz mit den entlassenen Arbeitern und den offen auftretenden Mitgliedern der neuen Betriebsgruppe durch. Es wurden Flyer mit Informationen über die Gründung der neuen Organisation und die Situation im Betrieb verteilt. Eine Flugblatt-Aktion gab es auch in Werk Poznań-Antoninek. Geplant sind weitere Info-Aktionen in den Werken Swarzędz und Września.

In dem Flugblatt an die VW-Beschäftigten schreiben die IP-Mitglieder: „Zu alldem haben wir auch noch die Solidarność, die fest an der Seite der Geschäftsführung steht. Ihre Leute sieht man nie in den Produktionshallen, denn sie verstecken sich in den Büros. Bei alltäglichen Problemen ist von ihnen kaum Hilfe zu erwarten. Vor kurzem hat die Solidarność der Einführung einer zusätzlichen 18. Schicht zugestimmt, und zwar ohne die Arbeiter zu fragen. Aber wenn die Solidarność nicht den Willen der Arbeiter vertritt, wozu ist sie dann im Betrieb? Gleichzeitig hat VW drei unserer Kollegen in Antoninek entlassen. Offizielle Gründe waren Posts auf Facebook. Aber wir alle wissen, dass es darum ging, zu verhindern, dass im Betrieb eine Gewerkschaft entsteht, die die Interessen der Arbeiter vertritt und nicht die des Chefs.“

„Gemeinsam sind wir stärker!“
Erst vor kurzem haben 70 Prozent der Belegschaft im VW-Werk in der Slowakei für höhere Löhne gestreikt. Nach 6 Tagen Streik gab es dort eine Lohnerhöhung um 13,5 Prozent und eine Einmalzahlung von 500 Euro. Die Beschäftigten im VW-Werk in Poznań wollen nicht tatenlos zusehen, wie die Firma die Arbeitsbedingungen verschärft und gleichzeitig nichts an den miesen Löhnen ändert. Sie haben keine Angst und kündigen an, dass sie so wie die Kolleg*innen in der Slowakei für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen kämpfen werden.

In der IP-Gewerkschaft sind die Arbeiter*innen von der Geschäftsführung unabhängig. Im Flugblatt schreiben sie: „Wir wollen weder Posten noch Dienstwagen zur Belohnung für ein gutes Verhältnis zu den Managern. Wir kämpfen für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten (Festangestellte und Leiharbeiter). In unserer Organisation hat jeder Arbeiter die gleiche Stimme, wir kämpfen für ein besseres Leben für uns alle, nicht für die Gewerkschaftsbürokratie. Wenn du genug davon hast, für einen Hundelohn bis zum letzten Schweißtropfen ausgequetscht zu werden, von korrupten Gewerkschaftern und der Arroganz der Chefs, wenn du kein 18-Schicht-System willst, tritt der Inicjatywa Pracownicza bei. In der IP organisieren sich Festangestellte und Leiharbeiter, Mitglieder anderer Gewerkschaften und bisher Unorganisierte aus den Werken in Antoninek, Września, Swarzędz und der Gießerei. Allein haben wir keine Chance gegen die Geschäftsführung. Gemeinsam sind wir stärker!“

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23.11.2017 - Quelle: http://www.fau.org/artikel/art_170820-122710