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G20 in Hamburg (Stellungnahme der FAU Hamburg) de/eng

News - 16.06.2017 von fauhh3

Obwohl sich einige unserer Mitglieder sicherlich an den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg beteiligen werden, haben wir als FAU Hamburg nicht zu den Protesten aufgerufen. Dies hat vor allem zwei Gründe:

Zum einen stehen wir den seit 1999 in regelmäßigen Abständen stattfindenden Gipfelprotesten grundlegend kritisch gegenüber. Das unmittelbare Kernstück der syndikalistischen Praxis ist die Direkte Aktion. Dieses Konzept hat den Anspruch nicht zu den vermeintlich Herrschenden zu laufen und dort um eine Verbesserung unserer Lebensumstände zu betteln. Nichts anderes ist aber der Protest bei solchen Gipfeln, egal wie militant er ausfällt.
Im besten Fall wird - unter hohem persönlichem Risiko für die Aktivist_innen und hohem finanziellen Aufwand für die aufrufenden Organisationen - der Gipfel unterbrochen und an anderer Stelle fortgesetzt. Eine konkrete Verbesserung für uns Lohnabhängige wird dadurch nicht erkämpft. Die Direkte Aktion sieht aber eben dies vor.
Im allgemein politischen Leben kann dies heißen, Nazis aus den Stadtteilen zu vertreiben, Zwangsräumungen zu verhindern oder vielleicht einfach, die Spielgeräte auf dem nächsten Spielplatz auszubessern.
Im Betrieb können durch Direkte Aktionen die Arbeitsgeschwindigkeit gedrosselt oder Abläufe für die Beschäftigten erleichtert werden, und durch den konkreten Arbeitskampf - mit dem Streik als stärkster Direkter Aktion - können die Arbeitgeber_innen zu Eingeständnissen gezwungen werden. Dies erfordert allerdings mehr als ein abenteuerreiches Demo-Wochenende. Es erfordert kontinuierliche Arbeit in unserem direkten Lebensumfeld; wobei sich die FAU als international agierende Gewerkschaft mit Kämpfen weltweit solidarisch zeigt.

Zum anderen gefällt uns die von den meisten Organisationen vorgetragene Kritik am G20-Gipfel nicht. Zwar treffen sich dort mit Putin, Erdogan, Trump u.a. autoritäre Menschenfeinde, gegen die es sich eigentlich immer zu demonstrieren lohnt, aber die Rhetorik vom Treffen der Herrscher der Welt, die Ränke schmieden, um das arme Volk auszubeuten, ist uns zutiefst zuwider.
Einerseits zeigen die letzten Verwerfungen zwischen EU und Erdogan oder Trump und allen anderen, dass die vermeintlich Herrschenden gar nicht so homogen sind, wie gewisse Gipfelgegner_innen dies gerne hätten. Andererseits zeigen die Wahlergebnisse von Trump und Erdogan, dass das sogenannte Volk eben nicht so unschuldig ist.
Der Kapitalismus ist ein komplexes System, welches jeden Tag von uns allen reproduziert wird, egal ob Manager_in, Dönerbudenbesitzer_in, verbeamtet oder lohnabhängig. Wir alle sind gefangen in den Zwängen aus Profit und Konkurrenz. Jede_r ist Täter_in, jede_r ist Opfer. Die Vorstellung, eine kleine Gruppe von Akteur_innen beherrsche die Welt, ist nicht nur veraltet, sondern bietet unangenehmste Anknüpfungspunkte für Verschwörungstheorien und Antisemitismus - kein Wunder, dass neue und alte Rechte den Kapitalismus ebenso erklären.
Unser Ziel ist es nicht einzelne Köpfe in den Mittelpunkt zu rücken, sondern jegliche Herrschaft des Menschen über den Menschen zu beenden, den Kapitalismus als Ganzes durch ein solidarisches Miteinander zu ersetzen.

Wir gehen davon aus, dass viele der Demonstrant_innen, die nach Hamburg kommen werden, hier sind um für eine Verbesserung der Lebensverhältnisse für alle einzutreten. Auch wenn sie dafür unserer Meinung nach die falsche Form wählen, zeigen wir uns mit diesen selbstverständlich solidarisch. Außerdem sind wir gespannt darauf viele Genoss_innen aus aller Welt kennenzulernen.

Daher ist unser Zentrum die Schwarze Katze von Dienstag 04.07. bis Sonntag 09.07. von 10 bis 23 Uhr als Treffpunkt und notfalls Rückzugsort geöffnet. Es werden warme und kalte Getränke werden bereitstehen, sowie Essen solange der Vorrat reicht. Handys können aufgeladen und die neusten Infos abgefragt werden.

FAU Hamburg
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In der Jungle World 17/26 erschien eine überarbeitet, und damit auch inhaltlich bessere, Version der Stellungnahme. Nachzulesen unter: https://jungle.world/artikel/2017/26/kritisch-aber-solidarisch
Aus dokumentarischen Zwecken haben wir uns aber entschlossen die erste Version hier stehen zu lassen.
FAU Hamburg
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Englische Übersetzung

Statement by the Free Workers‘ Union in Hamburg (FAU) on the G20

Although some of our members will surely take part in the protests against the G20 in Hamburg, we as FAU Hamburg decided not to join the call for protests. There are two main reasons for this:

On the one hand, we are generally sceptical regarding the summit protests taking place regularly since 1999. The immediate core of syndicalist practice is direct action. As part of this concept, one doesn’t run to those seemingly ruling to then ask them for an improvement of living conditions. Nothing else are the protests during such summits, no matter how militant they are.
At best – with a high personal risk and huge financial expense for those calling for protests – the summit will be interrupted and continued elsewhere. A specific improvement for us wage earners will not be won this way. But that’s exactly what direct action is aimed at.
In one‘s daily political life, this can mean to chase fascists out of the district, prevent forced evictions, or maybe simply improve the equipment on the next playground.
At work, direct action can throttle the operational speed or ease processes for the workforce; and using specific industrial action – with the strike as the strongest form of direct action – employers can be forced to make confessions. But for this more than an adventurous weekend of rallies is needed. It takes continuous work in our direct living environment; while the FAU as an internationally active union stands in solidarity with struggles worldwide.

On the other hand, we don’t agree with the criticism related to the G20 summit presented by most organisations. Indeed, with Putin, Erdogan, Trump and others authoritarian misanthropes come together against which it’s always worth protesting. But the rhetoric of the “rulers of the world that intrigue to exploit the poor people“ is deeply repellant to us.
For one thing, the latest upheavals between the EU and Erdogan or Trump and everyone else show that those supposed rulers are not as homogeneous at all, as some summit protesters like to believe.
Furthermore the election results of Trump and Erdogan show that „the people“ are not that innocent.
Capitalism is a complex system reproduced by all of us on a daily basis, be it a manager, owner of a snack stall, civil servant or wage earner. All of us are caught up by the forces unleashed by the need to generate profit and to be competitive. To a certain degree, everyone is a victim of the system and everyone is complicit, even though it varies considerably. The idea of a small group of people ruling the world is not just outdated, but also offers most unpleasant points of reference for conspiracy theories and antisemitism – no wonder that actors of the new and old political right keep explaining capitalism in this way.
Our goal is not to put the focus on individuals, but to end any type of domination of humans over humans, replacing capitalism as a whole with a coexistence based on solidarity.

We assume that many of the protesters coming to Hamburg will be here to stand up for an improvement of living conditions for all. Also if in our opinion they use a wrong method, we obviously stand in solidarity with them.
Furthermore we look forward to meet many comrades from different parts of the world.

Therefore our social centre „Schwarze Katze“ (i.e. black cat) will be open from Tuesday (July 4th) until Sunday (July 9th) from 10am until 11pm as a meeting point and, if necessary, a place to seek refuge. Warm and cold drinks will be available as well as food while stocks last. Mobile phones can be charged and the latest updates received.

Address:
Libertäres Kultur- und Aktionszentrum ‚Schwarze Katze‘
Fettstraße 23
20357 Hamburg

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20.10.2017 - Quelle: http://www.fau.org/artikel/art_170616-125320