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News - 28.11.15 von fauffm5

Griechenlands berühmte Seifenfabrik braucht internationale Unterstützung

Hände weg von Vio.Me

Der seit 2011 von den Arbeitern besetzten und seit 2013 in Selbstverwaltung betriebenen Fabrik Vio.Me (Βιομηχανική Μεταλλευτική) droht seit längerer Zeit die Zwangsversteigerung. Gut 250 Aktivist_innen gelang es am 26. Nov. 2015 durch die Blockade des Gerichtsgebäudes in Thessaloníki den erste Zwangsversteigerungstermin abzuwenden. Weitere Termine und erneute Mobilisierungen sind auf den 3. bzw. 10. Dez. terminiert.

Mit der Übernahme der Fabrik durch die ehemaligen Angestellten und der Umwandlung der Produktion, hin zu biologisch abbaubaren Wasch- und Reinigungsmitteln, mit der Produktion unter Arbeiterkontrolle und der Vollversammlung der Arbeiter als höchstes Entscheidungsorgan, mit der täglich erlebbaren gegenseitigen Hilfe der verschiedensten Initiativen in Griechenland und der Unterstützung der internationalen Solidaritätsbewegung, ist es den Vio.Me-Arbeitern gelungen ihr ökonomisches Überleben zu sichern. Gleichzeitig jedoch, und das ist der Grund für die andauernden Angriffe, stellt das Projekt die kapitalistischen Besitzverhältnisse und damit das Überleben des Systems an sich in Frage. Durch die nun angesetzte Zwangsversteigerung des Betriebsgeländes will der Insolvenzverwalter die Forderungen der Gläubiger des insolventen Mutterkonzerns Filkeram Johnson eintreiben, um dessen Schulden bei Banken, Staat und privaten Gläubigern zu begleichen. Die Alteigentümer, die Familie Filippou, hatte die ursprünglich erfolgreiche Fabrik für Baumaterialien im Jahr 2011 in die Insolvenz getrieben und schon Monate zuvor die Lohnzahlungen eingestellt.

In den letzten Wochen hatten die Arbeiter zur Blockade der Zwangsversteigerung und einer internationalen Aktionswoche vom 17.11. - 24.11.2015 aufgerufen. Am Dienstag den 24. Nov. fand eine große Demonstration in Thessaloniki statt, an der sich verschiedenste politische Initiativen, soziale Zentren, besetzte Häuser und Gewerkschafter_innen beteiligten. Mit dabei waren entlassene Beschäftigte der lokalen Tageszeitung “Aggelioforos”, die seit zwei Jahren gegen die Schließung und für die Wiedereröffnung ihres Werkes kämpfenden Arbeiter von Coca-Cola, Aktivist_innen der Karawane der Solidarität und Abgesandte der gegen den geplanten Goldabbau auf Chalkidikí kämpfenden Bevölkerung. “Von Vio.Me bis Chalkidikí, Krieg den Bossen auf der ganzen Welt”, oder “Die Solidarität ist die Waffe der Völker, Krieg dem Krieg der Bosse”, waren zwei der gerufenen Parolen. Am 25. Nov. hatte im Gewerkschaftshaus von Thessaloniki eine landesweite Versammlung zur Vorbereitung der Blockade-Aktion im Gerichtssaal stattgefunden.
Mit der erfolgreichen Blockade-Aktion der gut 250 Aktivist_innen am folgenden Tag wurde die Zwangsversteigerung der selbstverwalteten Fabrik vorerst verhindert. Entschlossene Vio.Me-Arbeiter und Aktivist_innen aus den Solidaritätsgruppen hatten sich teils in Ketten vor dem Gerichtssaal postiert und diesen dicht gemacht. Weitere direkte Aktionen sind für die nächsten Zwangsversteigerungstermine am 3. und 10. Dez. angekündigt. "Wir werden die Frabrik nicht verlassen. Die haben unser Leben zerstört und wir haben alleine gekämpft um wieder auf die Beine zu kommen. Wir werden es niemandem erlauben unser Leben erneut zu zerstören", betont Mákis Anagnóstou, einer der Vio.Me-Sprecher.
Von der Syriza-Anel-Regierung erwarten die Arbeiter nichts mehr. Seit Januar hatten sie vergeblich einen Termin im zuständigen Ministerium gefordert. Vor den Wahlen hatten sowohl Syriza als auch der jetzige Ministerpräsident Alexis Tsípras ihre Unterstützung zugesagt. Weder Syriza noch Tsípras wollen jetzt etwas davon wissen, Tsípras verweist seit seiner Wiederwahl im September auf die “Unabhängigkeit der Justiz”.
Dabei sei jedes Urteil und jede Lösung "eine klar politische Entscheidung", so die Vio.Me-Arbeiter in einer Presseerklärung. Ihre Fabrik mache "nur knapp 1/7der zu versteigenden Fabrikanlagen aus" und sei "unkompliziert vom Rest abtrennbar". Den Alteigentümern der Familie Filíppou wurden im Übrigen vom Staat in der Vergangenheit ein Teil der Betriebsflächen umsonst übertragen, "als Anerkennug für die Schaffung von Arbeitsplätzen".
Ralf Dreis, Thessaloníki

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