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Internationales - 05.07.12 von FAU Berlin, faub115

Wroclaw. LG-Zulieferer Chung Hong feuert aktiven Syndikalisten

Für höhere Löhne und Gewerkschaftsfreiheit

Krzysztof Gazda, Mitglied der Inicjatywa Pracownicza (IP), wurde am 28. Juni von seinem Arbeitgeber Chung Hong Electronics, einem Zulieferer des Elektronikriesen LG, gekündigt. Hintergrund ist ein nun schon mehrere Monate anhaltender Konflikt um höhere Löhne. Als Kündigungsgrund gibt die Firmenleitung nun an, Krzysztof Gazda habe die laufende Streik-Urabstimmung organisiert und an einer Kundgebung vor dem Fabriktor teilgenommen. In den Augen der Bosse ist dies ein Verstoß gegen das laufende Schlichtungsverfahren. Die IP dagegen sieht die Kündigung als klaren Bruch der Arbeits- und Gewerkschaftsgesetze an. Chung Hong gehe es nur darum, eine aktive Gewerkschaftsgruppe zu zerschlagen und die übrigen Beschäftigten einzuschüchtern.

Chung Hong produziert in einer der vielen Freihandelszonen Polens und ist fast vollständig steuerbefreit. Nach Aussagen von IP-Aktivisten sind die ArbeiterInnen die einzigen, die dort Steuern zahlen, durch ihre Lohnsteuer. Die Beschäftigten selbst haben meist nur befristete Verträge bzw. sind bei Leiharbeitsfirmen angestellt. Der Monatslohn liegt zwischen 335 und 360 Euro. LeiharbeiterInnen verdienen sogar noch weniger.

Sofort nach Bekanntwerden der Kündigung solidarisierten sich die Krzysztofs KollegInnen mit ihm und traten in den Streik. Die Inicjatywa Pracownicza organisierte am folgenden Tag die ersten Streikposten und es gelang ihr, die Produktion an diesem Tag lahmzulegen. Am folgenden Montag waren zur Frühschicht weitere Streikposten geplant. Aufgrund eines Solidaritätsaufrufs der IP nahmen auch Mitglieder der IWW (USA) und der FAU Berlin an den Streikposten teil. So gelang es, in Zusammenarbeit mit den Streikenden auf dem Gelände, weitere KollegInnen für den Streik zu gewinnen.

Die Geschäftsleitung von Chung Hong zeigte erneut eine mangelnde Gesprächsbereitschaft. Im Gegenteil: Sie trug noch zur Verschärfung der Situation bei. Nicht nur, dass der Werkschutz und der zusätzlich angeheuerte private Sicherheitsdienst ein provokantes Verhalten an den Tag legten, sie fotografierten und filmten auch alle Streikposten und Streikenden und versuchten, den Aktivisten die Transparente zu entwenden. Als sich weitere Beschäftigte mit den Streikenden solidarisieren wollten und ebenfalls in den Streik traten, wurden sie am Verlassen des Gebäudes gehindert – den Streikenden wiederum wurde verboten, das Gebäude zu betreten und die Toiletten zu benutzen. Die herbeigerufene Polizei, die auf diesen Rechtsverstoß aufmerksam gemacht wurde, ignorierte den Vorfall und verließ den Ort des Geschehens. Infolgedessen kam es zu kleineren Rangeleien zwischen den Streikposten und den Sicherheitsdiensten. Aufgrund einer guten Pressemobilisierung durch die IP waren an diesem Tag zwei Fernsehteams, eine Radiostation und zwei überregionale Tageszeitungen vor Ort, die von den Geschehnissen berichteten und Interviews mit der kämpferischen Belegschaft führten.

Als nach ca. neun Stunden die zweite Schicht in den Betrieb ging, wurde auch diese zum Streik aufgefordert und eine Strohpuppe mit der Aufschrift „Chung Hong Bosse“ abgebrannt, was von den Streikenden und Teilen der Belegschaft mit Beifall bedacht wurde. Auch an diesem Tag ist es gelungen, die Produktion lahmzulegen. Das dürfte die Geschäftsleitung von Chung Hong vor größere Probleme stellen, da – wie Aktivisten der IP berichten – zur Zeit einige eilige Aufträge für LG abzuwickeln sind.

Weitere Informationen:

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