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1. Mai - 18.04.12 von fauki3

30.4.: Re­vo­lu­tio­nä­re und an­ti­fa­schis­ti­sche 1. Mai-​Vor­a­bend-​De­mons­tra­ti­on in Kiel/ Soli-Tanz-in-den-Mai in der Alten Meierei

Geschichte wird gemacht - Kapitalismus Geschichte machen!

Am Vor­a­bend des 1. Mai 2012 wird es in Kiel eine re­vo­lu­tio­nä­re und an­ti­fa­schis­ti­sche De­mons­tra­ti­on geben. Wir wol­len zum tra­di­tio­nel­len in­ter­na­tio­na­len Kampf­tag der Ar­bei­ter_in­nen­be­we­gung gegen die Un­er­träg­lich­kei­ten des ka­pi­ta­lis­ti­schen All­tags auf die Stra­ße gehen und für die Ver­hin­de­rung des Na­zi­auf­mar­sches in Neu­müns­ter am Tag dar­auf mo­bi­li­sie­ren.

Da­nach geht’s zum Tanz in den Mai in der Alten Meie­rei, der die­ses Jahr als So­li-​Kon­zert für die an­ar­chis­ti­sche Schu­le Paideia in Spa­ni­en veranstaltet wird, die im No­vem­ber 2011 er­neut Opfer von Na­zi-​Ge­walt ge­wor­den ist.

Neben vega­ner Vokü und letz­ten Infos zum NPD-​Auf­marsch bzw. Ge­gen­ak­ti­vi­tä­ten war­tet der Abend mit mu­si­ka­li­schen Li­ve-​Acts auf: der bas­ki­schen Ska-​Band Esne Beltza und der Akus­tik-​Folk­punk-​Kom­bo Ber­lin­s­ka Dróha aus Ber­lin/Leipzig. Bei der After Show-​Par­ty hei­zen Guerilla Kiel or­dent­lich ein.

(Hier zum von der FAU Kiel unterzeichneten Aufruf zu antifaschistischen Aktivitäten in Neumünster am 1.Mai der Autonomen Antifa-Koordination Kiel.)

Re­vo­lu­tio­nä­re und an­ti­fa­schis­ti­sche 1. Mai-​Vor­a­bend-​De­mons­tra­ti­on
GE­SCHICH­TE WIRD GE­MACHT – KA­PI­TA­LIS­MUS ZU GE­SCHICH­TE MA­CHEN!


30. April 2012 | 17 Uhr | Hol­ten­au­er Stra­ße/Ecke Waitz­stra­ße | Kiel

Krise war ges­tern! Die Wirt­schafts­in­sti­tu­te sagen der deut­schen Wirt­schaft wie­der gute Wachs­tums­zah­len vor­aus und auch die pri­va­ten Haus­hal­te kön­nen auf­at­men: Dank einer – an­geb­lich – ge­schick­ten Ar­beits­markt­po­li­tik der Re­gie­rung ist sogar wie­der von Voll­be­schäf­ti­gung die Rede. Es gibt wie­der mehr Jobs, und zwar für jeden er­denk­li­chen Scheiß. Zwei­mo­na­ti­ges Schuf­ten im La­ger­haus für we­ni­ger als ’nen Zeh­ner die Stun­de oder eine noch mie­ser be­zahl­te An­stel­lung nachts an der Tanke? Das Leben ist kein Po­ny­hof und Ar­beit muss sein! Bei guter Füh­rung winkt viel­leicht noch die Um­schu­lung von Kfz-​Me­cha­nik auf Al­ten­pfle­ge, auf Ein­zel­han­delskaufrau, auf Ku­rier­fah­re­rin, auf päd­ago­gi­sche As­sis­ten­tin – an­dern­falls geht zur Not geht immer noch 1-​Eu­ro-​Park­put­zen. Als sei es kom­plett un­er­heb­lich was wir mit un­se­rem Leben ma­chen, ist un­term Strich für diese Ge­sell­schaft nur gut, was Ar­beit macht.

Aber das gute Leben für alle ist im Jahr 2012 in schein­bar un­er­reich­ba­re Ferne ge­rückt – und das nicht trotz des wie­der­keh­ren­den Wirt­schafts­wachs­tums, son­dern als des­sen Be­din­gung. Die re­la­ti­ven Lohn­ni­veaus sin­ken mun­ter wei­ter, die Ar­beits­ver­hält­nis­se wer­den stres­si­ger und un­si­che­rer. De­fen­si­ve Mi­ni­mal­for­de­run­gen von 3 – 6,5% Lohn­stei­ge­rung nach Jah­ren des Ver­zichts, wie der­zeit im öf­fent­li­chen Dienst oder ei­ni­gen Be­rei­chen der Me­tall­in­dus­trie, gel­ten der be­stän­dig immer rei­cher wer­den­den deut­schen Wirt­schaft und dem nach innen und außen immer mäch­ti­ger wer­den­den deut­schen Staat schon als pure An­ma­ßun­gen. Und ihnen ge­gen­über steht ein Ge­werk­schafts­ap­pa­rat, der, ge­fan­gen zwi­schen Stand­ort­lo­gik, So­zi­al­part­ner­schaft und der Macht­po­li­tik sei­ner Funk­tio­när_in­nen, sich ge­ge­be­nen­falls ge­ra­de mal mit der Hälf­te sei­ner so­wie­so schon viel zu nied­ri­gen For­de­run­gen ab­spei­sen lässt und somit selbst die Zu­spit­zung der so­zia­len Lage be­treibt. Längst ar­gu­men­tie­ren die Wort­füh­rer_in­nen des DGB nicht mehr mit ihrer an­geb­li­chen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Stär­ke, son­dern mit den Ver­wer­tungs-​ und Pro­duk­ti­ons­zie­len der Bosse. Nur wer ar­bei­tet, ist etwas wert. Ar­beit als höchs­tes Ideal der mensch­li­chen Exis­tenz – fa­ta­ler Weise sind es auch die Ge­werk­schaf­ten, die in diese Leier mit ein­stim­men. Etwa schuf­ten für den Rüs­tungs­stand­ort Kiel und die mi­li­tä­ri­sche Leis­tungs­fä­hig­keit des deut­schen Staa­tes, wie die Ge­werk­schaft ver.​di mit et­li­chen Ak­tio­nen zu zei­gen ver­sucht. Gut ist, was Ar­beit macht – in Schles­wig-​Hol­stein ver­sucht die Lan­des­re­gie­rung sogar mit Ge­set­zes­än­de­run­gen dar­auf hin­zu­wir­ken, dass sich On­line Po­ker-​Fir­men hier an­sie­deln. Die damit ver­bun­de­nen Steu­er­ein­nah­men trös­ten dar­über hin­weg, dass die Ge­fahr die­ser Form des di­gi­ta­len Glücks­spiels von Sucht­ex­per­t_in­nen mit der von He­ro­in ver­gli­chen wird. Haupt­sa­che das Hu­man­ka­pi­tal pro­du­ziert Mehr­wert; frei von Sinn, An­spruch, Ver­stand.

In­ter­na­tio­na­li­sier­ter Klas­sen­kampf von oben…

Die meis­ten Men­schen schei­nen mit der Ent­frem­dung, d.h. dass die Ge­win­ne nicht in ihre ei­ge­ne Ta­sche flie­ßen und sie als Zahn­rad im Pro­duk­ti­ons­sys­tem nichts mehr mit dem fer­ti­gen Pro­dukt zu tun haben, nur ge­rin­ge Pro­ble­me zu haben. Viel di­rek­ter trifft die zu­neh­men­de reale Ver­schlech­te­rung der Le­bens­ver­hält­nis­se, die iro­ni­scher­wei­se mit dem der­zei­ti­gen Wirt­schafts­wachs­tum ein­her­geht, ja sogar als Vor­aus­set­zung hat. Denn die Ge­win­ne der deut­schen Wirt­schaft ba­sie­ren vor allem auf den seit Jah­ren sta­gnie­ren­den Lohn­stück­kos­ten, auf einem dras­ti­schen Abbau der so­zia­len Si­che­rungs­sys­te­me, wel­cher auch schon vor der Krise mun­ter vor­an­ge­trie­ben wurde. Die­ser Klas­sen­kampf von oben fin­det aber nicht nur unter Schwarz-​Rot-​Gol­de­nen Ban­nern statt, son­dern er wird glo­ba­li­siert. Das Re­zept zur Ret­tung des Ka­pi­ta­lis­mus von Met­ten­hof über Na­po­li bis nach Athen lau­tet: An der Ver­elen­dung eben durch die­ses Wirt­schafts­we­sen soll Eu­ro­pa ge­ne­sen. Die­ses leis­tungs­fe­ti­schis­ti­sche Man­tra-​Mär­chen vom enger zu schnal­len­den Gür­tel, wel­ches An­ge­la Mer­kel und ihr Ge­fol­ge ge­bets­müh­len­ar­tig wie­der­ho­len, hat sich in Eu­ro­pa durch­ge­setzt. Es ist schon re­gel­recht zy­nisch, wenn sich aus­ge­rech­net die deut­sche Bun­des­re­gie­rung, als Re­prä­sen­tan­tin des hier­zu­lan­de so ex­port­kö­nig­lich ak­ku­mu­lier­ten Ka­pi­tals, im vor­geb­li­chen Kampf gegen die „Schul­den­kri­se“ in den be­trof­fe­nen EU-​Staa­ten für die Be­sei­ti­gung von „In­ves­ti­ti­ons­hem­nis­sen“ ein­setzt. Wel­che das sein sol­len, haben die Think-​Tanks der ka­pi­ta­lis­ti­schen Öko­no­mie schon vor et­li­chen Jah­ren klar um­ris­sen: so­zia­le Si­che­rungs­sys­te­me, Ge­werk­schaf­ten, Um­welt­schutz, usw. Be­glei­tet wird das deut­sche En­ga­ge­ment für den Eu­ro­raum durch ver­ba­le Kreuz­zü­ge gen Süd­eu­ro­pa. Es ist schon ein wahr­lich fins­te­res Kö­nig­reich, in dem das Pro­blem nicht darin ge­se­hen wird, dass es einem selbst schlecht geht, son­dern dass in Spa­ni­en, Por­tu­gal oder Grie­chen­land die Sonne zu oft scheint.

In­ter­na­tio­na­le So­li­da­ri­tät statt na­tio­na­lis­ti­scher Stand­ort­lo­gik!

Diese lei­der viel zu reale Hor­ror­sto­ry fin­det ihren vor­läu­fi­gen dra­ma­tur­gi­schen Hö­he­punkt darin, dass es die so­zia­len und ge­werk­schaft­li­chen Be­we­gun­gen Süd­eu­ro­pas sind, die nun gegen den Im­port der „wachs­tums­för­der­li­chen“ Nied­rig­löh­ne, Witz­ren­ten und mie­sen Ar­beits­be­din­gun­gen aus Deutsch­land an­kämp­fen müs­sen – wäh­rend aus Deutsch­land größ­ten­teils nur Fried­hofs­ru­he zu ver­neh­men ist. Zwar wer­den auch in Por­tu­gal und Grie­chen­land noch viel zu oft Na­tio­nal­flag­gen gegen das von der Troi­ka (EU-​Kom­mis­si­on, Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank, In­ter­na­tio­na­ler Wäh­rungs­fonds) dik­tier­te Spar­re­gime in Stel­lung ge­bracht; doch im­mer­hin scheint hier tat­säch­lich sehr vie­len Men­schen in An­be­tracht ihrer ei­ge­nen so­zia­len Si­tua­ti­on die „Kon­kur­renz­fä­hig­keit“ ihres je­wei­li­gen Staa­tes re­la­tiv egal zu sein. Ein ge­wich­ti­ger Un­ter­schied zu dem in Deutsch­land nach wie vor üb­li­chen Ge­re­de vom Wohle der „Volks­wirt­schaft“, dem alles un­ter­zu­ord­nen sei.

In die­sen Chor stimmt auch die NPD mit ein und ver­sucht dabei noch alle an­de­ren mit (so­zi­al-​)ras­sis­ti­schen Klän­gen zu über­tö­nen, indem sie am 1. Mai in Neu­müns­ter mit dem Motto „Wir ar­bei­ten –Brüs­sel kas­siert“ auf­mar­schiert. Mit der Ge­schich­te von der aus­ge­rech­net durch den Kri­sen­pro­fi­teur Deutsch­land ab­ge­ge­be­nen Sou­ve­rä­ni­tät an das mys­ti­sche „Brüs­sel“ ver­sucht die NPD durch ver­kürz­te, je­doch lei­der auch weit ver­brei­te­te Pa­ro­len gegen „Nicht“- bzw. „Un­deut­sche“ zu het­zen, die an­geb­li­chen Nutz­nie­ßer_in­nen des Wirt­schafts­sys­tems. Auch die alt­be­kann­te an­ti­se­mi­ti­sche Vor­stel­lung eines guten deut­schen „schaf­fen­den“ und eines von Außen kom­men­den „raf­fen­den“ Ka­pi­tals wird mit solch einer Pa­ro­le her­vor­ra­gend be­dient. Die NPD for­dert „Ar­beit zu­erst für Deut­sche“ und for­ciert damit Aus­gren­zung und Kon­kur­renz unter den Men­schen, die ge­zwun­gen sind ihre Ar­beits­kraft zu jedem noch so nied­ri­gen Preis zu ver­kau­fen und jeden be­schis­se­nen Job an­zu­neh­men. Die­sem er­bärm­li­chen Zu­stand set­zen wir un­se­re So­li­da­ri­tät jen­seits und un­ab­hän­gig von Gren­zen und Na­tio­nen ent­ge­gen!

Gegen die Ar­beit & die Herr­schaft der ka­pi­ta­lis­ti­schen Un­frei­heit!

Der 1. Mai steht sym­bo­lisch für die Kämp­fe der in­ter­na­tio­na­len Ar­bei­ter_in­nen­be­we­gung. Doch es geht hier nicht um eine Ver­herr­li­chung des Be­griffs Ar­beit, son­dern um­ge­kehrt war und ist der Zwang zur Lohnar­beit eben der Grund für Wi­der­stand. Denn noch vor den re­pres­si­ven staat­li­chen In­ter­es­sen von „Re­pro­duk­ti­on & Herr­schafts­si­che­rung“ gibt es im Ka­pi­ta­lis­mus letzt­end­lich nur einen trif­ti­gen Grund für die Exis­tenz von Ar­beits­plät­zen – dass sie Mehr­wert ab­wer­fen, die Basis des Ka­pi­tals. Diese in­ne­re Funk­ti­on der Ar­beit ist grund­sätz­lich gleich­gül­tig ge­gen­über jed­we­dem Bezug zum Men­schen als einem frei­en, selbst­be­stimm­ten In­di­vi­du­um. Genau das zeigt sich heute in einer his­to­risch nie da­ge­we­se­nen Deut­lich­keit: Die enor­men Ka­pa­zi­tä­ten und Res­sour­cen der heu­ti­gen Ge­sell­schaft be­grün­den nicht all­ge­mei­nen Wohl­stand, son­dern in ihrer eu­phe­mis­ti­schen Be­zeich­nung als glo­ba­le „Über­pro­duk­ti­on“ eben Krise und künst­li­che Ver­knap­pung, also Dro­hung und Zwang zu noch mehr Ar­beit für noch we­ni­ger Geld. Wer kann, hat alles Recht der Welt sich die­sem Zwang zu ent­zie­hen – alle an­de­ren soll­ten sich so teuer wie mög­lich ver­kau­fen! Doch jeder in­di­vi­du­el­le oder kol­lek­ti­ve Weg des Wi­der­stan­des gegen das Leben in der ka­pi­ta­lis­ti­schen Un­frei­heit wird eher frü­her als spä­ter auf die Re­ak­ti­on von Staat und Wirt­schaft tref­fen, in Form von Ent­las­sun­gen und Lohn – oder Leis­tungs­kür­zun­gen, aber auch Kon­trol­le und di­rek­ter Re­pres­si­on. Und hier be­ginnt die Ge­schich­te, für die der 1. Mai in un­se­rem Ver­ständ­nis steht: Dem so­li­da­ri­schen in­ter­na­tio­na­len Kampf für die Be­frei­ung des Men­schen – eine Ge­schich­te, die ge­schrie­ben wurde, um fort­ge­führt zu wer­den. Mit der re­vo­lu­tio­nä­ren 1.​Mai-​Vor­a­bend­de­mo in Kiel sind wir Teil eines Ka­pi­tels, wel­ches die­ses Jahr so­wohl am 31. März (M31 | march31.​net) wie auch mit den kom­men­den Pro­tes­ten in Frank­furt a.M. vom 17.-19. Mai (Block­u­py Frank­furt | eu­ropean-​re­sis­tan­ce.​org) gegen die Po­li­tik der Troi­ka und die Macht der ge­ball­ten Ka­pi­tal­kraft des deut­schen Stand­orts an Kon­tu­ren ge­winnt.

Für die so­zia­le Re­vo­lu­ti­on!

Weitere Informationen zum Tanz in den Mai auf der Seite der Alten Meierei.

Blog des landesweiten Bündnisses gegen den NPD Aufmarsch am 1.Mai in Neumünster

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